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Ermittlungen gegen Giscard d’Estaing

Paris. Nach Vorwürfen einer deutschen Fernsehjournalistin haben die französischen Behörden gegen Expräsident Valéry Giscard d’Estaing ein Ermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung eingeleitet. Das teilte die Pariser Staatsanwaltschaft am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP mit. Die WDR-Journalistin Ann-Kathrin Stracke wirft dem 94jährigen vor, nach einem Interview im Dezember 2018 mehrfach ihr Gesäß berührt zu haben. Die 37Jährige hatte deswegen am 10. März Anzeige gegen Giscard d’Estaing erstattet. Stracke begrüßte die Einleitung des Ermittlungsverfahrens. Giscards Anwalt wollte sich auf Anfrage von AFP nicht zur Eröffnung des Ermittlungsverfahrens äußern. Stracke hatte ihre Anschuldigungen gegen den Expräsidenten unlängst öffentlich gemacht. »Ich habe die Situation als sehr degradierend, als sehr herabsetzend empfunden«, sagte sie. Nun hoffe sie auf »eine gesellschaftliche Debatte über sexuelle Belästigung und mehr Mut, Dinge anzusprechen«. Der WDR betonte, Giscards Büro habe weder auf einen offiziellen Beschwerdebrief noch auf die Strafanzeige vom März inhaltlich reagiert. Stracke hatte Giscard anlässlich des 100. Jahrestags der Geburt von Helmut Schmidt (SPD) interviewt. Der französische Exstaatschef war ein langjähriger Freund des verstorbenen Exkanzlers. (AFP/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.05.2020, Seite 15, Feminismus

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