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Aus: Ausgabe vom 20.01.2020, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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»Aber dann kam der Heilsbringer und Erlöser«: Erling Braut Haaland nach seinem Hattrick

Die Manager der Bundesligavereine sehen wieder »Licht am Ende des Tunnels«, als ob sie eine lange, nicht enden wollende Nacht der Verzweiflung hinter sich hätten. Wahrscheinlich ist das sogar der Fall, weil sie zu den typischen Vertretern der Branche gehören und den Hals nicht voll kriegen können. Netflix und Amazon sind in den Bieterwettbewerb um Fußballübertragungsrechte eingestiegen, auch auf die Bundesliga wird womöglich schon in der kommenden Saison ein Geldregen niedergehen, und bald können die Menschen virtuell und dreidimensional mitten auf dem Platz unter den Profis stehen.

Dieser neuen Erlebniswelt wird jeglicher Charme abgehen. Leicht wehmütig denkt man an den kleinen Schwarzweißfernseher, der einst mit grisseliger Qualität – der Ball war kaum zu erkennen –, aber fachlichen Hinweisen von Ernst Huberty den 2:1-Sieg Borussia Dortmunds gegen Liverpool im Finale des Europacups der Pokalsieger aus dem Glasgower Hampden Park übertrug. Immer perfekteren Erlebniswelten werden immer empathielosere Menschen gegenüberstehen. Und Spiele wie das des BVB am Sonnabend in Augsburg werden völlig bedeutungslos.

Dem Zuschauer muss immer energischer eingetrichtert werden, wie wichtig solche Spiele sind, während sich das eigentlich Bedeutsame im Hintergrund abspielt, wo über die Tiefe des Abgrunds zwischen den Happy Few und den Loosern verhandelt wird. Als ob das alles nichts wäre, knüpfte Dortmund nahtlos an seine Leistung im letzten Spiel der Vorrunde gegen Hoffenheim an, wo es trotz haushoher Überlegenheit irgendwann das Spiel aus der Hand gab und es am Ende mit 1:2 verlor. Augsburg versteckte sich nicht, presste und rannte und brachte die Dortmunder in Schwierigkeiten. Die erlaubten sich immer wieder katastrophale Abspielfehler, während Reus die für ihn herausgespielten Chancen mit absoluter Verlässlichkeit vergab. Eine ziemlich frustrierende Vorstellung, vor allem, weil Augsburg direkt nach der Pause durch einen Glücksschuss die Führung weiter ausbaute und nach dem Anschlusstreffer durch Brandt mit einem weiteren Tor den alten Abstand wiederherstellte.

Aber dann kam der Heilsbringer und Erlöser der schmerzgeplagten Dortmunder Fanseele auf den Platz, ein blonder, nordischer Hüne mit einer Frisur, wie man sie aus Nazifilmen kennt, der wie ein Panzer die Augsburger Abwehr überrollte. So könnte man das auf Breitleinwand und Dolby-Surround inszenieren, aber eigentlich lag es einfach am Systemwechsel, den Favre vorzunehmen gezwungen war. Er musste schlichtweg offensiver spielen lassen, wenn er noch etwas erreichen wollte, während Augsburg-Coach Martin Schmidt es versäumte, darauf zu reagieren und seine Mannschaft einfach so weiterspielen ließ wie vorher.

Statt den Riegel zu verstärken und sich einzuigeln, spielten die Augsburger weiterhin hoch und boten dem schnellen Haaland jede Menge Platz, um sich zu entfalten. Plötzlich liefen die Augsburger in einen Konter nach dem anderen. Haaland machte es besser als der schließlich ausgewechselte Chancentod Reus und traf innerhalb von 20 Minuten gleich dreimal. Allerdings konnte man in Slow Motion gut sehen, dass er nicht mit Glück seine Tore schießt, sondern mit ungewöhnlicher Präzision. So kann es ruhig mal weitergehen. Wenn die Dortmunder jetzt noch ihr seltsames Phlegma ablegten, könnte es noch mal spannend werden.

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