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Aus: Ausgabe vom 16.01.2020, Seite 16 / Sport
Kampfsport

Cowboy gegen Superstar

Mixed Martial Arts: Der Ire Conor McGregor kehrt zurück in den Käfig
Von Rouven Ahl
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Das dicke Ende war eine Massenschlägerei: Conor McGregor im Oktober 2018 nach der Niederlage gegen Chabib Nurmagomedow

»Ein glücklicher Kämpfer ist ein gefährlicher Kämpfer«, versichert John Kavanagh in diesen Tagen jedem, der es hören will. Kavanagh ist Trainer von Conor McGregor, dem immer noch größten Star der Kampfsportorganisation Ultimate Fighting Championship (UFC). In der Nacht zum Sonntag kehrt McGregor in Las Vegas nach mehr als einem Jahr zurück in den Käfig. Sein Gegner Donald Cerrone könnte wenig zu lachen haben, denn McGregor wirkt vor seinem Comeback sehr glücklich darüber, endlich wieder das zu tun, was er am besten kann.

Der 31jährige Mixed-Martial-Arts-Kämpfer sei besser denn je, meint sein Trainer. McGregor habe wieder Spaß am Training, würde »viel lachen auf der Matte«. Die Berühmtheit des irischen Arbeitersohnes resultiert dabei weniger aus sportlichen Leistungen denn aus Skandalen. Den letzten Kampf bestritt McGregor im Oktober 2018. Er verlor gegen den Russen Chabib Nurmagomedow. Das Spektakel endete in einer Massenschlägerei, McGregor wurde im Anschluss für sechs Monate gesperrt. Nach dem Ende der unfreiwilligen Auszeit heizte McGregor Gerüchte über einen möglichen Rücktritt an. Davon will er längst nichts mehr wissen. Das Duell mit Cerrone im Weltergewicht soll nur der erste von drei Kämpfen in diesem Jahr sein. »Er macht einen fokussierten Eindruck«, erklärt Kampfsportexperte Philipp Ertl gegenüber jW. McGregor könne trotz der langen Auszeit wieder sein voriges Niveau erreichen. Der 36jährige US-Amerikaner Cerrone sei im übrigen ein idealer Gegner für das Comeback. Er halte Rekorde wie den der meisten Siege in der UFC, lasse sich »gut verkaufen«, sei aber auch »gut berechenbar – McGregor weiß, was auf ihn zukommt«.

Die beiden Kontrahenten könnten unterschiedlicher kaum sein. Während McGregor mit seiner, freundlich ausgedrückt, extrovertierten Art »seinem Management und der UFC die gesamte PR-Arbeit abnimmt«, wie Ertl es ausdrückt, lebt Cerrone zurückgezogen auf einer Ranch im US-Bundesstaat New Mexico. Seinen Spitznamen »Cowboy« trägt er also nicht nur, weil er immer einen entsprechenden Hut trägt. Cerrone kann getrost als Naturbursche bezeichnet werden. Als Adrenalinjunkie fährt er gern Motocross oder klettert auf hohe Felsen – sein kleiner Sohn trägt nicht von ungefähr den Zweitnamen »Danger«, Gefahr.

Der Kampf gegen McGregor ist seitens der UFC eine Anerkennung des Lebenswerks dieses Cowboys, ein Zeichen der Dankbarkeit. Denn egal wann oder gegen wen: Cerrone war immer bereit. Ein Aufeinandertreffen mit McGregor bedeutet neben dem sportlichen Prestige nun auch, dass Cerrone noch einmal ordentlich abkassieren wird.

McGregor hingegen hat längst ausgesorgt. Aus finanziellen Gründen müsste der ehemalige Weltmeister im Feder- und Leichtgewicht nicht mehr in den Käfig steigen. Warum er es doch tut? »McGregor kann nicht ohne kämpfen«, meint Ertl. Für ihn ist McGregor der Favorit. Dessen gefährlichste Waffe ist die Linke. Aber Ertl sagt auch: »Je länger der Kampf dauert, desto mehr steigen die Chancen von Cerrone.«

Ein Sieg würde den Sportler McGregor wieder mehr in den Vordergrund rücken lassen. Im Sport-TV-Sender ESPN gab er sich zuletzt ungewohnt reumütig ob des Verhaltens in der jüngeren Vergangenheit: »Die Leute, die mich unterstützen, haben etwas Besseres verdient.«