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03.12.2019, 19:09:56 / Inland

Kritik an Aktion des »Zentrums für politische Schönheit«

Irrenhaus in Performance. Die Künstlergruppe Zentrum für Politis
Irrenhaus in Performance. Die Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit stellt eine Säule auf, in die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein soll

Berlin. Die vom Künstlerkollektiv »Zentrum für politische Schönheit« (ZPS) errichtete »Gedenkstätte« hat die Kritik des Zentralrats der Juden provoziert. »Die jüngste Aktion von @politicalbeauty ist aus jüdischer Sicht problematisch, weil sie gegen das jüdische Religionsgesetz der Totenruhe verstößt«, hieß es in einem Tweet des Zentralrats. »Sollte es sich tatsächlich um Asche von Schoa-Opfern handeln, dann wurde die Totenruhe gestört.«

Das ZPS hatte seine »Gedenkstätte« am Montag in Sichtweite des Reichstagsgebäudes in Berlin aufgestellt. Zu der Aktion gehört eine Stahlsäule, die nach Angaben des ZPS Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthält. An der Stelle, die das ZPS für seine Aktion gewählt hat, hatten die Reichstagsabgeordneten im März 1933 mit breiter Mehrheit für das Ermächtigungsgesetz gestimmt, das der Naziregierung ermöglichte, den Rechtsstaat auszuhebeln und ihre Diktatur aufzubauen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland sagte ein vereinbartes Gespräch mit dem ZPS ab, wie die Rheinische Post (Mittwoch) berichtet. In diesem Gespräch habe das Künstlerkollektiv seine Aktion näher erläutern wollen, sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster. Die Vorgehensweise des ZPS nannte Schuster unseriös. Sie diene offensichtlich ausschließlich dazu, Aufmerksamkeit zu erregen. (jW/dpa)

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