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Aus: Ausgabe vom 26.10.2019, Seite 11 / Feuilleton
Kulturpolitik

Unglaublich glücklich

Hurra. Georg Baselitz (81) ist in die französische Akademie der bildenden Künste gewählt worden. Der deutsche Maler und Bildhauer besetzt als ausländisches Mitglied den Stuhl des 2016 gestorbenen polnischen Filmemachers Andrzej Wajda. Er sei über die Wahl unglaublich glücklich, kommentierte der als notorisch schlechtgelaunt geltende Meckerfritze Baselitz die Entscheidung der Akademie, die dem Institut de France untersteht. Er sei aber auch irritiert, dass ihm als deutscher Künstler solch eine Ehre zuteil werde, sagte er laut einer Mitteilung der Galerie Thaddaeus Ropac in Paris. Wer weiß, vielleicht waren sie dort nachhaltig beeindruckt von Baselitz’ hartnäckiger Marotte, seine Motive auf dem Kopf stehend zu malen. Seit den 70ern macht er das nun schon. Eigensinnig. Einzigartig. Gern erinnern wir an dieser Stelle, dass der gute alte Gerhard Schröder zu seinem Antritt als Bundeskanzler im Jahr 1995 sich einen nach unten stürzenden Baselitz-Adler über den Kanzlerschreibtisch hängte und dass der »Kanzlerkünstler« seither mit Geld um sich schmeißen kann, weil seine Werke Höchstpreise erzielen.

Die Académie des beaux-arts ist eine der fünf Akademien des Institut de France. Sie wurde 1803 gegründet und besteht aus 63 Mitgliedern und neun Fachbereichen. Sechzehn Stühle werden mit ausländischen Kunstschaffenden besetzt, unter ihnen derzeit der britische Architekt Norman Foster und der japanische Dirigent Seiji Ozawa. Großkopferte, wohin man schaut. Die Einrichtung soll das künstlerische Erbe Frankreichs schützen und fördern. Wie Baselitz’ überdimensionale Bilder dabei helfen sollen, ist freilich ein Rätsel. Den deutschesten aller Maler indes wird’s kaum jucken. (msa)

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