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27.06.2019, 19:01:04 / Feuilleton
Kulturpolitik

Jüdisches Museum Berlin: Erster und bester

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Unter Beschuss und verteidigt: Peter Schäfer, zurückgetretener Direktor des Jüdischen Museums Berlin

Mehr als 400 Wissenschaftler des Judentums vor allem aus den USA, Israel und Deutschland haben sich mit dem zurückgetretenen Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, solidarisch erklärt. »Als Wissenschaftler auf dem Gebiet der jüdischen Studien protestieren wir energisch gegen die Verleumdung eines verdienten Kollegen«, heißt es in einer auf Englisch im Internet verbreiteten Erklärung, wie die Judaistin Susannah Heschel vom Dartmouth College (New Hampshire, USA) am Donnerstag auf Anfrage bestätigte.

Nach falschen Beschuldigungen sei Schäfer zum Rücktritt gezwungen und dessen Reputation öffentlich in Zweifel gezogen worden, heißt es in der Erklärung. Die Wissenschaftler forderten eine »öffentliche Entschuldigung« von jenen, die »Lügen« über ihn verbreitet hätten. Schäfer sei der erste und wichtigste Wissenschaftler des Judentums im Nachkriegsdeutschland. Er habe sich unermüdlich für ein Verständnis des Zionismus und der Rolle des Staates Israel eingesetzt.

Zu den Unterzeichnern gehören Micha Brumlik und Christina von Braun (Berlin), Stefanie Schueler-Springorum (Zentrum für Antisemitismusforschung), der Historiker Mark Roseman (Indiana), Shmuel Feiner (Bar-Ilan Universität, Israel) sowie die Philosophen Yitzhak Melamed (Baltimore) und Judith Butler (Berkeley).

Schäfer war nach heftigen Kontroversen zurückgetreten. Auslöser war ein Tweet der Pressestelle des Museums mit einer Leseempfehlung im Zusammenhang mit der Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen). In dem empfohlenen Artikel ging es um die Kritik von 240 jüdischen und israelischen Wissenschaftlern an einem Beschluss des Bundestages, in dem die BDS-Kampange als antisemitisch verurteilt wird. Die weltweit aktive Bewegung besteht aus einer Vielzahl von Gruppen, die ein Ende der israelischen Besatzungspolitik und u. a. zum Boykott israelischer Waren aufrufen. (dpa/jW)

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