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Aus: Ausgabe vom 18.06.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Handelskrieg

»Extreme Maßnahmen« gegen China

Umsatz von Huawei bricht um 30 Milliarden Dollar ein. Beijing will weniger Seltene Erden exportieren
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Huawei-Stand auf der International Consumer Electronics Show in Shanghai (11.6.2019)

Der chinesische Telekommunikationskonzern Huawei stellt sich wegen der US-Sanktionen gegen das Unternehmen auf einen kräftigen Rückgang der Geschäfte ein. Der Umsatz werde über die nächsten zwei Jahre 30 Milliarden Dollar (26,7 Milliarden Euro) unter den Vorhersagen liegen, sagte Huawei-Chef Ren Zhengfei am Montag im südchinesischen Shenzhen.

Die USA hatten Huawei im Mai auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Trump begründete seine Schritte mit Sicherheitsbedenken gegen Technik aus China. Da die Vorwürfe bislang nicht belegt wurden, sehen viele Experten die Sanktionen im Kontext des Handelskonflikts zwischen den USA und China.

Ren sagte, er habe nicht erwartet, dass die US-Regierung solche »ex­tremen Maßnahmen« und »ein breites Spektrum von Maßnahmen« gegen Huawei ergreifen werde, einschließlich der Einschränkung der Zusammenarbeit des Unternehmens mit US-Universitäten. Huawei werde in ein paar Jahren gestärkt aus seinen Schwierigkeiten hervorgehen. »Ich denke, wir können auf keinen Fall zu Tode geprügelt werden.«

Für Huawei wird die Luft durch die Einschränkungen dünner. US-Chiphersteller, die wichtige Zulieferer sind, können kaum noch Geschäfte mit den Chinesen machen. Zudem erschweren die US-Maßnahmen für Huawei den Zugang zum Google-System Android. Die Chinesen hatten deshalb angekündigt, ein eigenes Betriebssystem für Smartphones entwickeln zu wollen.

Der Umsatz des Konzerns hatte im vergangenen Jahr noch deutlich um 19,5 Prozent auf rund 95 Milliarden Euro zugelegt. Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 25 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Euro. »Die gegenwärtigen Rückschläge sind nicht auf die amerikanischen Unternehmen zurückzuführen, sondern auf unterschiedliche Sichtweisen bestimmter Politiker«, sagte Ren. Trotz der Krise werde Huawei seine Mitarbeiterzahl nicht wesentlich reduzieren. Eine »Geschäftskonsolidierung« sei aber im Gange.

Beijing droht, wegen des Handelskonfliktes seine Lieferung von Seltenen Erden an US-Rüstungsfirmen zu beschränken. Hersteller von Militärgeräten aus den Vereinigten Staaten dürften »wahrscheinlich mit Einschränkungen konfrontiert werden«, berichtete die Global Times am Montag. China werde auch eine Liste ausländischer Verbraucher von Seltenen Erden aus chinesischer Produktion erstellen. Die USA decken etwa 80 Prozent ihres Bedarfs an den 17 chemischen Elementen mit Importen aus der Volksrepublik ab. Seltene Erden werden in der Rüstungsindustrie etwa für Triebwerke, Raketenlenksysteme, Satelliten und Laser benötigt, finden aber auch Anwendung in Unterhaltungselektronik und Smartphones. Die chinesische Nationale Entwicklungs- und Reformkommission hatte zuvor gemeinsam mit dem Industrie- und dem Rohstoffministerium eine Studie über die Vorkommen in sieben Regionen veranlasst. Die Behörden der Regionen – darunter der Inneren Mongolei und Jiangxi – müssen demnach Daten und Maßnahmen zu Schutz, Entwicklung und Anwendung der Materialien liefern.

Chinesische Medien hatten schon Ende Mai wegen des Handelskonflikts mit den Vereinigten Staaten über eine Begrenzung des Exportes spekuliert. Beijing hatte bereits 2010 nach einem diplomatischen Streit mit Japan zu solchen Maßnahmen gegriffen. (dpa/Reuters/jW)

Debatte

  • Beitrag von josef w. aus Hefei, VR China (18. Juni 2019 um 01:51 Uhr)
    Auf China Radio International (german.cri.cn) heißt es etwas verklausuliert: »China lehnt es entschieden ab, die Entwicklung Chinas durch die von Seltenen Erden aus China hergestellten Produkte einzudämmen. Wie die Sprecherin der staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform, Meng Wei, am Montag vor der Presse mitteilte, sei China nun damit beschäftigt, politische Maßnahmen über die Seltenen Erden auszuarbeiten, um ihren Wert als strategische Ressourcen tatsächlich zu entfalten. Die Verstärkung der Erschließung und Nutzung der Seltenen Erden sei von positiver Bedeutung für die Entwicklung der Wirtschaft Chinas und der Welt.«

    Die Produzenten von Waffensystemen, die sich gegen China richten, oder von Firmen, die sich am Boykott gegen chinesische Hightech-Firmen beteiligen, müssen demnach damit rechnen, dass ihnen der Rohstoff für aggressive Maßnahmen ausgeht – jedenfalls vorerst, denn auf Dauer werden sie sich schon Ersatz irgendwo auf der Welt beschaffen, und wenn es mit Waffengewalt ist.

    Auch in Sachen Betriebssystem scheint Huawei vorgebeugt zu haben, denn schon bald sollen erste Huawei-Produkte mit dem neuen BS Hongmeng auf den Markt kommen.

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