Aus: Ausgabe vom 16.11.2018, Seite 8 / Inland

»Schulterschluss zwischen Hools und Pegida«

Düsseldorf: Rechter Aufmarsch am Sonnabend. Antifaschisten mobilisieren dagegen. Ein Gespräch mit Johannes Dörrenbächer

Interview: Markus Bernhardt
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Die "Patrioten NRW" wollen am Sonnabend durch Düsseldorf marschieren

Am kommenden Sonnabend wollen in Düsseldorf verschiedene extrem rechte Gruppen vereint mit den »Patrioten NRW« aufmarschieren. Wer steckt hinter diesem Zusammenschluss?

Die »Patrioten NRW« sind eine Kleinstgruppe. Politisch sind sie am ehesten mit Pegida-Demonstranten zu vergleichen. Sie neigen zu Verschwörungstheorien und sympathisieren mit der AfD. Seit einiger Zeit müssen wir einen Schulterschluss zwischen Pegida-nahen Rassisten und gewaltbereiten rechten Hooligans verzeichnen. So rufen neben dem »Frauenbündnis Kandel« und den »Müttern gegen Gewalt« auch die Gruppe »Mönchengladbach steht auf« um Dominik Roeseler nach Düsseldorf auf. Roeseler hatte 2014 in Köln die »Hogesa«-Demonstration (»Hooligans gegen Salafisten«, jW) angemeldet, bei der etwa 4.500 Hooligans angereist waren. In Düsseldorf gab es den Schulterschluss zwischen Hools und Pegida bereits nach den Ausschreitungen in Chemnitz. Damals kamen bei einer Solidaritätsaktion etwa 130 Personen zusammen. Die Hools sehen sich in dieser Partnerschaft als eine Art Schutz für »bürgerliche« Rassisten.

Die Rechten wollen vor allem gegen den sogenannten UN-Migrationspakt, der im Dezember von etwa 190 Staaten verabschiedet werden soll, aufmarschieren. Warum ausgerechnet in Düsseldorf?

Die extreme Rechte mobilisiert europaweit gegen den Migrationspakt. In Düsseldorf scheint man den Protest an die NRW-Landesregierung richten zu wollen. Mit Blick auf die Ablehnung des Migrationspaktes durch die rechten Regierungen in Ungarn und Österreich scheint man aber auch in ganz Deutschland auf größere Aufmärsche zu hoffen.

Rechnen Sie damit, dass die rassistische Propaganda in Düsseldorf auf fruchtbaren Boden fallen könnte? Immerhin sind extrem Rechte in den letzten Jahren hier mit Versuchen gescheitert, regelmäßige Aufmärsche unter dem Label »Dügida« zu etablieren.

Wir gehen nicht davon aus, dass sich die »Patrioten NRW« festsetzen können. Dennoch ist das Mobilisierungspotential der Hooliganszene nicht zu unterschätzen. In Düsseldorf haben wir aber ein gut funktionierendes Bündnis, das sich den Rassisten immer wieder entgegenstellt und es ihnen schwer macht, hier Fuß zu fassen.

Dennoch kam es in den vergangenen Monaten vermehrt zu Aktivitäten von extrem rechten Parteien und Gruppierungen. Welche Gegenstrategien verfolgen Sie?

Das ist leider richtig. Es gibt einige Städte in NRW, in denen die rechten Strukturen mehr und besser vernetzt sind. In Düsseldorf organisiert sich die Szene mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Insbesondere im Stadtteil Garath – einer Trabantenstadt von Düsseldorf – gab es in der Vergangenheit immer wieder Probleme, die auch in dem sehr selbstbewussten, teils aggressiven Auftreten der Rechten begründet liegen. Dort kleben ihre Aufkleber mit den Namen »Bruderschaft Deutschland« oder »Bruderschaft Garath« an fast jedem Laternenpfahl. Sie treffen sich auch mit Hools aus anderen Stadtteilen oder Städten wie Essen oder Mönchengladbach.

Genau dieses Spektrum wird voraussichtlich am Samstag vor dem Landtag protestieren. Wir werden daher in verschiedenen Bereichen aktiv sein. Da gibt es einerseits im Vorfeld die Gegenwehr gegen jede rassistische Mobilisierung. Unser »Düsseldorf stellt sich quer!«-Bündnis ist dafür bekannt, Sitzblockaden als Aktionsmittel einzusetzen. Aber das ist keine Lösung für Probleme in Stadtteilen wie Garath. Daher sind wir anderseits mit lokalen Akteuren im Kontakt. Unser Ziel ist es, dort ein kulturelles Angebot zu schaffen, das nicht von extrem rechten Nachbarn dominiert wird. Beispielsweise haben wir vor kurzem ein Konzert organisiert. HipHop-Workshops und Vorträge für Jugendliche sind andere Möglichkeiten. Das ist eine anstrengende, kleinteilige Arbeit, die nicht allein von einem ehrenamtlichen Bündnis bewältigt werden kann. Einige Bewohner aus dem Stadtteil fordern daher zu Recht, dass sich die Stadt Düsseldorf ebenfalls diesem Problem annimmt und zum Beispiel Streetworker einstellt.

Johannes Dörrenbächer ist Sprecher des antifaschistischen Bündnisses »Düsseldorf stellt sich quer« (DSSQ)

duesseldorf-stellt-sich-quer.de/blog

Treffpunkt für antifaschistische Proteste: Sonnabend, 17. November, Hauptbahnhof (UFA-Kino), 12.30 Uhr


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