Aus: Ausgabe vom 14.02.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

SPD im Umfragetief

Eine Mehrheit der Deutschen wünscht sich einer Umfrage zufolge eine Zustimmung der SPD-Mitglieder zur großen Koalition. 57 Prozent der Befragten sagten, dass die SPD-Mitglieder für die Groko stimmen sollten, wie eine Emnid-Umfrage für Bild am Sonntag ergab. Unter den befragten Anhängern der SPD waren es sogar 84 Prozent. Auch 87 Prozent der Unionsanhänger sprachen sich demnach für eine Zustimmung aus. Eine Ablehnung wünschten sich insgesamt 38 Prozent.

Bei einer Bundestagswahl könnten CDU/CSU laut Emnid-Sonntagstrend derzeit mit 34 Prozent rechnen, eine Verbesserung zur Vorwoche von einem Prozentpunkt. Die SPD käme auf 20 Prozent. Leicht verschlechtert wäre die AfD mit zwölf Prozent drittstärkste Kraft (minus eins). Die Grünen erreichen erneut elf Prozent. Die Linke verliert einen Punkt und kommt nun wie die FDP auf neun Prozent. Eine Minderheit von 33 Prozent glaubt, dass die SPD unter Andrea Nahles wieder erfolgreicher wird. 52 Prozent sagen, dass sie das nicht erwarten.

Ein noch drastischeres Bild zeichnet eine INSA-Erhebung im Auftrag von Bild (Montag). Auch nach dem Verzicht von Noch-Parteichef Martin Schulz auf das Amt des Außenministers kommt die SPD nicht aus dem Umfragetief heraus. Dem INSA-Trend zufolge fällt die Partei sogar um einen halben Punkt und erhält nur noch 16,5 Prozent. Damit läge die SPD der Umfrage nach nur noch 1,5 Prozentpunkte vor der AfD, die mit 15 Prozent drittstärkste Partei wäre. Auch CDU/CSU verlieren einen Punkt und erhalten demnach 29,5 Prozent. Gemeinsam kommen CDU/CSU und SPD damit nur noch auf 46 Prozent, eine große Koalition hätte, wie im INSA-Meinungstrend eine Woche zuvor, weiterhin keine Mehrheit mehr. Allerdings fielen Umfragen des INSA-Trend bereits in der Vergangenheit wegen überdurchschnittlich hoher Werte für die rechtspopulistische AfD auf. Das Institut steht auch wegen seiner Arbeitsweise in der Kritik.

Die sich abzeichnende Ernennung von Andrea Nahles zur SPD-Parteichefin stößt nach einer weiteren Umfrage in der Bevölkerung überwiegend auf Skepsis. 52 Prozent der Befragten gaben in einer repräsentativen Forsa-Befragung für RTL und N-TV an, sie hielten jemand anderes für diesen Posten für besser geeignet. 42 Prozent der Befragten trauen Nahles den SPD-Vorsitz hingegen zu. Unter den SPD-Anhängern sieht eine knappe Mehrheit (49 zu 47 Prozent) in Nahles eine gute Parteichefin.

Grundsätzlich bewerten 86 Prozent der Befragten die »Groko« als eine Art »Notgemeinschaft« – nur 9 Prozent erwarten, dass sich die Lage der Menschen durch die Beschlüsse bei den Koalitionsverhandlungen verbessert. 73 Prozent glauben, es werde sich nichts verändern. 15 Prozent urteilen sogar, die Situation werde sich verschlechtern. (dpa/jW)

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