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Aus: Ausgabe vom 26.07.2017, Seite 10 / Feuilleton
Kunst

Im Weg

Ein Kunstprojekt von Markus Lüpertz für die geplante neue U-Bahn entzweit in Karlsruhe die Gemüter. Kurz vor der Entscheidung des Gemeinderats am Dienstag (nach Redaktionsschluss) sprach sich Peter Weibel, Direktor des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM), gegen das Projekt aus. Er kritisiert den religiösen Charakter des geplanten Kunstwerks. »Wie kann es dazu kommen, dass jahrhundertealte konfessionelle Kunst nicht wie bisher üblich in Kirchen gezeigt wird, sondern dass religiöse Mythen in öffentlichen Räumen präsentiert werden, nur weil einige wenige deren Darstellung finanzieren?« fragt Weibel in einem den Badischen Neuesten Nachrichten vorliegenden Brief, der auch an die Stadt und die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats ging.

Nach den Plänen einer privaten Initiative haben die Karlsruher in vier Jahren nicht nur eine neue U-Bahn, sondern auch eine Kunstmeile im Untergrund. Demnach soll Lüpertz die Stationen der künftigen U-Bahn mit großformatigen Keramiktafeln bestücken. Thema: »Genesis – 7 Tage des Herrn« – die Schöpfungsgeschichte verdichtet auf sieben Haltestellen. Das Projekt von Initiator Anton Goll, dem früheren Chef der Keramikmanufaktur Majolika, soll durch Spenden und Sponsoren finanziert werden. Am Dienstag nachmittag wollte der Gemeinderat über das Projekt entscheiden. Die CDU ist dafür, die SPD abwartend, die Grünen sind dagegen. Lüpertz gilt als einer der prominentesten Gegenwartskünstler. Der exzentrische Maler und frühere Düsseldorfer Akademierektor hat ein Domizil in Karlsruhe. Unter dem Titel »Kunst, die im Wege steht« zeigt das ZKM noch bis zum 20. August Gemälde, Skulpturen, Reliefs und Druckstöcke von Lüpertz. (dpa/jW)

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