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Versagen auf ganzer Linie

Der Landessportbund Berlin ärgert sich, weil Flüchtlinge weiterhin in Sporthallen wohnen

Von Klaus Weise
Foto: Paul Zinken/dpa-Bildfunk
Sporthalle als Notunterkunft für Flüchtlinge in Berlin-Weissensse

Auf der Mitgliederversammlung des Landessportbundes Berlin am Freitag ging es in erster Linie um den »Hallenskandal«. Und der RBB titelte auf seiner Internetseite »LSB-Präsident Böger hält Wutrede gegen den Senat« und zitierte den SPD-Mann, der von 1999 bis 2006 auch Berliner Schulsenator war, mit der Gefühlsaufwallung: »Ich könnte platzen!«

In den drei Stunden Versammlung am Freitag abend kam es allerdings nicht dazu. Trotz kochender Sportler-Volksseele und der Fülle akuter Probleme blieb der Protest moderat. Allerdings war Klaus Böger laut RBB »kaum zu bremsen«, er schnaubte vor Wut. »So kann man mit Menschen und dem Vertrauen in die Politik nicht umgehen«, lautete seine Anklage, »das Pingpongspiel zwischen den verschiedenen Senatsebenen – das tut weh«.

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Was ihn so auf die Palme brachte, ist die Entwicklung, dass die als Flüchtlingsunterkünfte genutzten Schulturnhallen der Stadt wohl erst mit Schulbeginn 2017/2018 – also nach zwei Jahren – wieder für den Schul- und Vereinssport verwendbar sein sollen. Es handelt sich dabei um 38 Hallen. Der LSB hatte schon vorab »totales Scheitern und mangelhafte Planung« seitens des Senats moniert. »Es ist ein Bürokratieversagen von Senat und Bezirken auf der ganzen Linie und stellt dem Berliner Verwaltungshandeln erneut ein schlechtes Zeugnis aus. Berlin ist in bezug auf Freizug und Wiederherstellung sichergestellter Hallen für den Schul- und Vereinssport das absolute Schlusslicht in Deutschland. Das gilt im übrigen auch für die unzumutbare Situation der Flüchtlinge selbst. Die mehr als einjährige Unterbringung in Sporthallen ist menschenunwürdig«, stellte der LSB fest: »Ein Armutszeugnis für Berlin.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.11.2016, Seite 16, Sport

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