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Aus: Ausgabe vom 20.09.2016, Seite 10 / Feuilleton

Wollen, dürfen, müssen

Von Wiglaf Droste

Vor längerer Zeit gab es einen TV-Werbespot, in dem für ein diätisches, Lebensmittel genanntes Light-Produkt Reklame gemacht wurde. Etwas musikähnliches erklang, und ein aufgeschäumtes Stimmchen sang: »Ich will so bleiben wie ich bin!« worauf der Chor antwortete: »Du darfst!« Es war die Hymne aller, die ihre Reihen fest geschlossen hatten, damit ihre Körper niemals um ein Gramm Halbfett schwerer würden.

Nun ist es ja in Ordnung, ein wenig darauf zu achten, nicht völlig aus dem Leim zu gehen, und die äußere Erscheinungsform, so sie der inneren entspricht, möglichst wohlgestaltet zu präsentieren, aber einem chemisch oder sportaktivistisch fit for fun getrimmten, als »gesund« etikettierten Körper entspringt noch lange kein guter, klarer und gesunder Geist.

Allen, die ausschließlich auf ihr Außenbild fixiert und dressiert sind und die nicht gewillt sind, sich zu entwickeln, was Veränderung nicht im Kern, sondern Zugewinn an unvorhergesehener Erfahrung, an Sichtweisen, Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten mit sich bringt, sei dieses ins Öhrchen geflüstert: »Du willst so bleiben, wie du bist?« – »Du musst!« Ob zwischen den Ohren etwas ankommt, ist ungewiss, aber man kann es ja immerhin versuchen.

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