Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
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Aus: Ausgabe vom 15.09.2016, Seite 11 / Feuilleton

Brauer, Einzelkämpfer

Von Gisela Sonnenburg

Die Berliner aus ihrer Lethargie zu reißen und zum Protest gegen die Kulturabwicklung durch die örtliche SPD zu bewegen, dabei hilft Wolfgang Brauer (Foto), Jahrgang 1954. Die Umgestaltung der Volksbühne zum Eventschuppen wird gern kritisiert, aber nur der kulturpolitische Sprecher der Linken fordert im Abgeordnetenhaus vernehmlich die Auflösung des teuren Vertrags der Stadt mit dem Museumskurator Chris Dercon als künftigem Chef.

Anders als der Regierende Bürgermeister Michael Müller will Brauer auch die Sache mit dem Humboldt-Forum im Schloss nicht allein dem Bund überlassen. Brauer, geborener Ossi, ist mit der Geschichte beider Stadthälften vertraut und überzeugt, dass die Berliner, wenn sie sich nicht einmischen, kulturelle Errungenschaften aller Art auf dem Scheiterhaufen des Massentourismus und der Konsumkultur brennen sehen werden (kein O-Ton).

Ans Herz gewachsen ist Brauer das streik- und streitlustige Staatsballett, für Politiker nicht eben eine bequeme Truppe. Im Abgeordnetenhaus unterstützte nur er im vergangenen Jahr von Beginn an den Streik der Tänzer für bessere Arbeitsbedingungen. Aktuell wehrt sich das Ballett gegen eine von der SPD neu bestimmte, sachfremde Intendanz. Brauer stärkt den Künstlern auch da den Rücken, wieder als einziger im Stadtparlament.

Marzahner haben das Glück, ihn mit einem Direktmandat ins Abgeordnetenhaus wählen zu dürfen. Der Kulturpolitiker, der Museums-, Zoo- und Tierparkbesuche kostenlos machen will, kritisiert auch seine Partei. Deren Wahlkampf in Berlin sei »entschieden zu zahm«, meint er: »Wir sind zu brav. Mehr Angriffslust nicht nur, aber auch gegen die AfD, ist vonnöten!«

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