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Aus: Ausgabe vom 16.06.2016, Seite 11 / Feuilleton

Wahrhaftige Komposition

Nach Bern und München zeigt der als ehemaliger »Meisterfälscher« verurteilte wie gefeierte Maler Wolfgang Beltracchi nun auch in Basel seine eigenen Werke. »Free Method Painting« heißt die Ausstellung des 65jährigen. Sie findet gegenüber der weltweit größten Kunstmesse Art Basel statt, die derzeit wieder zahlreiche Besucher und Sammler anzieht. Mittlerweile sei der Kreis seiner Sammler auf rund 100 Personen angewachsen, sagt der Künstler, der 17 neue Arbeiten zeigt, die Kompositionen aus verschiedenen Stilen und Handschriften sind, die er einst kopiert hat. So vereint er die Ästhetik von Fernand Léger mit der von Oskar Schlemmer. Beltracchi hatte über mehrere Jahrzehnte hinweg rund 300 gefälschte Bilder in den Markt geschleust. Er war im Herbst 2011 in Köln wegen Millionenbetrugs zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt und im Januar 2015 aus der Haft entlassen worden. Heute fühle er sich in seiner Kunst freier: »Ich muss nicht mehr Grat wandern. Ich habe keine 100 bis 200 Jahre Kunstgeschichte im Rücken. Früher durfte ein Bild ja auch nicht zu gut werden.« Seine auch nun auch offiziell eigenen Arbeiten erzielen mittlerweile sechsstellige Summen. (dpa/jW)

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