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Aus: Ausgabe vom 14.05.2016, Seite 11 / Feuilleton

Anbaden

Von Wiglaf Droste

Am Sonnabend ist im Freibad um die Ecke »Anbaden«; die Vorsilbe »An« in Anbaden (oder auch in, müffel, Angrillen) ist so alt wie rätselhaft. Wäre der erste Kuss im Jahr dann das Anküssen? Der erste Sex im Leben wäre demnach das Anvögeln, Anficken, Anpoppen, und der erste Rektalverkehr das Ananalen? Was aber ist mit der Ananas? Nennt man deren Erstverzehr dann Ananassen?

Das Anklopfen, Anmelden, Ankobern, Anfassen, Anstrengen, Anecken, Anhaben, Angeben, Antackern, Anflanschen, Anschleimen oder das Anquatschen und Anlabern (merke: immer von der Seite!) sowie das Anschwitzen und Anbrennen (in der Küche) haben dagegen nichts Anorganisches an sich, während der Anwalt wieder angeklebt wirkt, weil er ja nicht waltet, sondern Anwandlungen hat und eben anwaltet.

Im Rundfunkstudio, wo ich ab und an zu tun habe, gibt es zum Ein- (nein, in diesem Fall nicht zum An-)pegeln das Ansprechen (siehe auch: räuspertaste dich da mal ganz vorsichtig ran ...). Aber das ist ein anderes Thema und nachgerade androgyn, so wie ja nach Arthur Rimbaud auch Ich ein Anderer ist.

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