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Vom Stuhl und der Dinge Gang

Stühle gibt es viele: den Lehnstuhl, den Schaukelstuhl, ein Kabarett mit dem koprophilen Namen »Mundstuhl« und den entsprechenden Leibstuhl. In Österreich ist ein Stuhl, was man in Deutschland »Sessel« nennt, während ein Sessel dort »Stuhl« heißt. Dann gibt es Mediziner, der jahrelang paukten, um später Patienten fragen zu dürfen: »Hatten Sie Stuhl?«, worauf sie im glücklicheren Fall zur Antwort bekommen: »Ja, aber leider nur heiligen.« Was das vergebliche Thronen auf einem Arsch-mit-Ohren-Sessel recht gut beschreibt.

Auch Lehrstühle sind reichlich vorhanden; in Bielefeld wurde an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) ein »Lehrstuhl für vegane Ernährung« aufgestellt. Mode hat ihren Preis, das ist bei Akademikern nicht anders als bei Schuhfabrikanten oder Autoverkäufern. Ab Oktober 2016 jedenfalls wird es in Bielefeld den »Bachelor-Studiengang B. A. Vegan Food Management« geben – ein Studienfach, dem zur vollendeten Hochschulpickelausdrückreife nur noch die Worte »Kommunikation« und »Design« im Titel fehlen, aber das kann man, um in der Welt des Sprach-, also Denkersatzes kurz zu verweilen, ja »nachbessern«. Und immer schön veganen Stuhl studieren.

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Perfekt jedoch wird diese Welt erst sein, wenn ein »Institut für interdisziplinäre Onanie« seine Pforten öffnet; das kann und wird also noch kommen; es muss ja nicht gleich in Bielefeld sein.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.03.2016, Seite 11, Feuilleton

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