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Haro Senft gestorben

Seine Dokumentation über den Bau des ersten Atomkraftwerks in der BRD wurde 1961 als erster deutscher Kurzfilm für einen Oscar nominiert. 1962 war er der Initiator des Oberhausener Manifests, das heute als Geburtsurkunde des Neuen Deutschen Films gilt. 1965 porträtierte er Helden der Prager Filmakademie FAMU wie Milos Forman, Elmar Klos, Jiri Menzel und Vaclav Havel (das Geld für diese »Vorfrühlingsdoku« mit dem Titel »Ein Anlass zum Sprechen« kam u. a. vom bayerischen Fernsehen). 1967 folgte ein illusionsloser Spielfilm mit Bruno Ganz in seiner ersten Hauptrolle. Gemessen an diesen Verdiensten ist der am 4. Februar überraschend gestorbene Haro Senft kaum noch bekannt. Ein Grund dafür: Ab 1971 kümmerte er sich nicht mehr um Filmpolitik, sondern »nur noch« um Kinderfilme. Sein Spielfilm mit Bruno Ganz, »Der sanfte Lauf«, markiert eine Kapitulation vor der Nachkriegsordnung. 1943 war der am 27.9.1928 in Ceske Budejovice Geborene als Schüler zum Flak-Helfer gemacht worden. Nach dem Krieg war er ein Jahr interniert. In »Der sanfte Lauf« prügelt sich Ganz mit einem Neonazi, wird verurteilt, muss sein Studium abbrechen, arrangiert sich in der Folge – nach Überwindung letzter Skrupel auf einem Trip in seine Heimatstadt Prag – mit dem selbstgefälligen Bürgertum, akzeptiert letztlich auch dessen Nazivergangenheit. Der Film läuft auf der diesjährigen Berlinale-Retrospektive. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.02.2016, Seite 11, Feuilleton

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