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Aus: Ausgabe vom 06.01.2016, Seite 10 / Feuilleton

Jubel der Woche: Heli, Cohrs, Ceylan

Von Jegor Jublimov

Auch beim vergangenen Fest wird in so mancher Familie die kleine, amüsante Beobachtung »So einfach ist Weihnachten nicht« von Heli vorgelesen worden sein. Heli, das waren ursprünglich die Journalisten Heinz und Lilo Busse, die für ihre gemeinsamen satirischen Glossen in der Berliner Zeitung ihre Vornamen zusammengezogen hatten. Später schrieb Lilo allein weiter als Heli oder Heli Busse. Und als Lilo Busse übersetzte sie satirische Artikel aus russischsprachigen Zeitschriften wie Krokodil oder Ogonjok für den Eulenspiegel. Ihre eigenen heiter-ironischen Alltagsbeschreibungen waren so beliebt, dass daraus Bücher wie »Weiße mit Schuss«, »Es gibt keine Wunder mehr« oder »Schnee im Schlafzimmer« entstanden. Heute vor 20 Jahren starb Heli Busse, eine der so raren deutschen Satirikerinnen.

Satire war eher nicht sein Metier, aber der Dresdner Eberhard Cohrs brachte Millionen zum Lachen. Der kurzgewachsene Publikumsliebling war der sächsische Mundartkomiker in der DDR. Er gab sich gern als »pleeder Heini« und scheute sich nicht, die ältesten Witze zu verbraten. (In den 70er Jahren suchte er per Annonce in mehreren Zeitungen alte Witzbücher.) Wie er die Pointen setzte, das machte ihm keiner nach. Im alten Friedrichstadtpalast mit seinen 3.000 Plätzen sorgte er in Revuen wie »Der Mann, der Dr. Watson war« monatelang für ein ausverkauftes Haus. Einmal trat er sogar auf die Opernbühne und spielte bei Hanns Anselm Perten in Rostock den Frosch in der »Fledermaus«. Aber Klamauk war ihm lieber, und den bot er ab 1977 den Bundesbürgern, weil er in der DDR, wie er meinte, alles erreicht hatte und neue Felder beackern wollte. Der Publikumserfolg kam letztlich zurück, als er in die DDR zurückkehrte – allerdings erst 1990. Kurz vor seinem Tod 1999 geriet er noch einmal in die Schlagzeilen, als er den Pistorius machte – oder hat Pistorius den Cohrs gemacht? Jedenfalls hielt er seine Frau und Partnerin Dagmar Graf für einen Einbrecher und schoss viermal auf sie. Er stand unter Medikamenteneinfluss. Sie überlebte. Am Montag wäre er 95 geworden.

Am selben Tag wurde ein anderer Dialektkomiker 40, der sich selbst eher Comedian nennen würde. Das langhaarige Ungeheuer Bülent Ceylan aber pflegt das »Monnemerisch«, seinen Mannheimer Heimatdialekt, ebenso wie das Deutschtürkisch. Damit hat er Cohrs allerdings etwas voraus, denn trotz aller Witzeleien bringt er immer wieder soziale Fragen zur Sprache, verhandelt die Gegensätze zwischen Eingesessenen und Migranten und trägt dadurch nicht eben wenig zum gegenseitigen Verständnis bei.

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