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Aus: Ausgabe vom 04.01.2016, Seite 3 / Schwerpunkt

Neuer Vorsitzender

Zum 1. Januar hat Wolfgang Büchele den Vorsitz im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft übernommen. Büchele ist Vorstandsvorsitzender der Münchner Linde AG. Und weil diese die Münchner Sicherheitskonferenz unterstützt und Büchele sogar deren Beirat leitet, also als solider Transatlantiker gilt, hat die Personalie im auf Russland orientierten Spektrum der deutschen Industrie für Stirnrunzeln gesorgt. Es werde »maßgeblich vom zukünftigen Geschäftsführer« abhängen, »ob die Russland zugewandte Linie« im Ost-Ausschuss beibehalten werde, spekulierte Anfang Dezember das Wismarer Ostinstitut. Die Einrichtung wurde 2009 gegründet, um den Ausbau der Beziehungen vor allem nach Russland zu fördern. »Auf jeden Fall« befinde sich »der Ost-Ausschuss im Hinblick auf seine Führung in einer Phase des Umbruchs«. Das Ostinstitut wird von Exbundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) geleitet; seinem Vorstand gehört unter anderem das Wintershall-Vorstandsmitglied Ties Tiessen an.

Wird der Ost-Ausschuss unter Büchele das Russland-Geschäft vernachlässigen? Es stimmt: Linde hat – wie große Teile der deutschen Industrie – starke Interessen in den Vereinigten Staaten. In der Konzernbilanz für 2014 kann man nachlesen, dass von den mehr als 17 Milliarden Umsatz, die die Linde AG im vorletzten Jahr verzeichnete, 3,7 Milliarden in den USA erzielt wurden, fast dreimal soviel wie in Deutschland. Russland liegt weit dahinter zurück. Gleichzeitig aber ist Linde dabei, ein milliardenschweres Projekt mit Gasprom zu starten, das zudem lukrative Folgevorhaben nach sich ziehen könnte. Gasprom will 12,6 Milliarden Euro in den Bau einer Gasverflüssigungsanlage in Sibirien investieren und dabei mit Linde kooperieren. Die Einrichtung soll eine Verarbeitungskapazität von 49 Milliarden Kubikmetern Erdgas pro Jahr erreichen. Sie werde damit »das größte Gasverarbeitungswerk in Russland und eines der größten in der Welt sein«, teilte Konzernchef Alexej Miller kürzlich mit. Gelinge die Kooperation, dann werde man auch bei anderen Projekten »im Bereich der Gasverflüssigung« zusammenarbeiten, kündigte er an. Vernachlässigen kann Ost-Ausschuss-Chef Büchele diese einzigartige Chance kaum. (jk)