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Hessen-Sumpf: War Temme im Dienst?

Am 23. November tagte der NSU-Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtages zur Aufklärung des Mordes an Halit Yozgat am 6. April 2006 in einem Kasseler Internetcafé. Geladen war Staatsanwalt Götz Wied als Zeuge. Hermann Schaus erklärte anschließend für die Linksfraktion im Landtag:

»Nach dem Mord an Halit Yozgat sahen es Polizei und Staatsanwaltschaft als notwendig an, im Rahmen ihrer Ermittlungen die vom Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme geführten V-Leute zu vernehmen. Doch dies hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), damals Innenminister Hessens, durch eine Sperrerklärung verhindert.« Leider habe der damalige leitende Staatsanwalt dennoch auf die dringend gebotenen Vernehmungen verzichtet und in der Folge das Verfahren gegen Andreas Temme eingestellt. Eine plausible Begründung dafür habe er heute nicht liefern können. Schaus: »Obwohl Temme zum Zeitpunkt des Mordes an Halit Yozgat im Kasseler Internetcafé war und als Tatverdächtiger galt, durften seine Vorgesetzten die Ermittlungsakten einsehen. Sie wurden sogar vorab davon informiert, dass eine Durchsuchung von Temmes Diensträumen anstehe. Zudem wurden die Asservate(…) während der laufenden Ermittlungen vernichtet. Gefragt nach den Gründen für diesen Vorgang, konnte sich der damals zuständige Staatsanwalt unerklärlicherweise nicht erinnern.«

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Am Freitag hatte der Ausschuss Helmut Wetzel, ehemals Leiter der »Mordkommission Café«, als Zeuge geladen war. Schaus nach der Sitzung:

»Volker Bouffier (CDU) hat im Juli 2006 öffentlich behauptet, bei Andreas Temme (...) sei sehr schnell klar gewesen, dass es keinen Tatverdacht gebe. Die heutige Aussage von Helmut Wetzel, dem Leiter der damals ermittelnden Mordkommission, ergibt erneut ein anderes Bild. Demnach hat bei Temme sehr wohl längere Zeit ein Tatverdacht bestanden. Und auch Temmes Aussage, er sei nicht in dienstlicher Mission im Internetcafé gewesen, hält Wetzel für nicht erwiesen. Unisono sagten dies auch die bereits vor längerem gehörten Zeugen Bilgic und Hoffmann, also die gesamte Leitung der damaligen Mordkommission.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.12.2015, Seite 3, Schwerpunkt

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