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Bei den Elenden

Das Berliner Theater Rambazamba gibt »Die Elenden« nach dem berühmten Roman von Victor Hugo aus dem Jahr 1862. Gefragt, wer heute die Elenden sind, lautet die Antwort aus dem Programmheft: »Leute, die sich ganz schlecht fühlen, im Prinzip wir alle.« Hugos Roman spielt zur Zeit des erfolglosen republikanischen Juniaufstands von 1832 in Paris gegen Louis Philippe, der doch kein»Bürgerkönig« sein wollte.

Im Mittelpunkt steht ein ehemaliger Galeerensträfling, Jean Valjean, der, moralisch geläutert, aber unter falschem Namen, solange Erfolg hat, bis er sich entscheidet, seine wahre Identität preiszugeben. Sein Gegenspieler ist Inspektor Javert, der beweisen will, dass sich ein Verbrecher niemals zum Guten hin ändern kann.

Unter der Regie von Kay Langstengel und Enya Hutter spielen Menschen mit Behinderung, die selber täglich Ausgrenzung erfahren, ausgegrenzte Menschen aus dem Subproletariat. Der sich vielfach wandelnde Valjean wird von Christian Behrend großartig gespielt. Er ist breit und stark. Dazu kommt diese verdeckt-indirekte Art von Angst, immer auf der Hut, immer in Gefahr stehend, entdeckt zu werden, immer die Blicke der anderen hinter sich erahnend. Behrend macht dies durch Minimalmimik sichtbar, ein winziges Augenrunzeln nach rechts hinten, ein knappes Mundwinkelziehen nach seitwärts.

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Die »Elenden« tragen hier grob um den Körper geschlungene Stoffe, die wie locker zusammengesteckt wirken, Fäden sind sichtbar. Zu Beginn geht ein Zündholzschachtelverkäufer mit einem Bauchladen, sich mühsam an Krücken haltend, über die Bühne, niemand kauft bei ihm, niemand scheint ihn überhaupt wahrzunehmen. Die Prostituierte Fantine wird von der gelähmten Sophie Schöffler gespielt. Ihre gehauchte Stimme und dazu ihr bewegungsarmes Gesicht passen unglaublich zu der Rolle.

Gut gelungen ist auch die Figur der Madame Thénardier, die von der im Rollstuhl sitzenden Gaby Helmdach gespielt wird. Sie spricht am Telefon ständig mit ihrem Ehemann, mit dem sie eine runtergekommene Herberge führt. Laut Programmheft sind die Thénardiers »herzhaft bösartig und sehr überlegt«. Auch sie »kämpfen, um zu überleben, um jeden Preis«.

Nächste Vorstellungen: 19.11., 20.11., 21.11., 22.11., jeweils 19 Uhr

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.11.2015, Seite 10, Feuilleton

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