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Auf Du und Du

Ungewohnt intim: Dave Gahan & Soulsavers

Von Mike Martin

The gospel according to Dave Gahan: Das ist eine Litanei, die zunächst einmal von überstandener Drogensucht nach einem Beinahetod 1996 und der anschließenden Rehabilitation handelt. Lebensläufe, wie sie so oder ähnlich in der Popmusik häufiger vorkommen und gern religiös verklärt werden. So handelt auch das Gros der Lieder, die der hauptamtliche Depeche-Mode-Sänger auf seinem vierten Soloalbum »Angels & Ghosts« versammelt hat, vom Stürzen und Wiederaufstehen. Wie schon das letzte Mal hat er es wieder mit Rich Martin und Ian Glover von den Soulsavers aufgenommen.

Das Album erzählt auch eine Geschichte von Emanzipation und dem Finden der eigenen Nische. Hört man den ersten drei, vier Songs noch an, dass Gahan sie so wohl nicht geschrieben hätte, hätte er nicht Tonfall und Themen des Depeche-Songschreibers Martin Gore im Ohr, gelingt es ihm spätestens mit »One Thing«, der nur auf den ersten Blick unausweichlichen Ballade, aus dessen Schatten zu treten. Hier geht es einmal nicht nur um das eigene Erlebte, Gahan macht sich ernsthaft Sorgen um die Welt. Und beklagt, dass er damit wohl ziemlich alleine stehe. Gegen das Übel auf der Welt helfe nur eins, nämlich Liebe, meint er, bewahrt aber auch so etwas wie Große-Jungs-Hoffnung: »There’s always life on mars out there for me«. Eine Zeile, mit der er sich vor David Bowies Song »Life on Mars« verneigt.

Martin und Glover haben Gahan mit hauptsächlich analogen Instrumenten eine Umgebung geschaffen, in der der Sänger seine Stimme in vielen, vor allem ungewohnt sanften Lagen zum Klingen bringen kann. In den Blues- und Gospelsongs wird es so ungewohnt intim – schnell ist man mit Gahan auf Du und Du. Er mache gerade »die beste Arbeit seines Lebens«, äußerte der Wahl-New-Yorker in einem Interview zum Album. Gesanglich stimmt das allemal. Zeilen wie »Just lay down next to me/We can watch those tasteless shows on our tv« zeigen sein Potential als Songschreiber.

Dave Gahan & Soulsavers: »Angels & Ghosts« (Columbia)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.11.2015, Seite 11, Feuilleton

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