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Alptraum eines großen Chefs

Ach, was bin ich wieder fesch,

Dachte der Chef, lächelte

und betrachtete nicht ohne Wohlgefallen

sein kantiges Konterfei im Spiegel.

Man muss smart sein, wenn man entlässt,

smart, aber auch mitfühlend.

Er übte die entsprechenden Grimassen,

Gesichtsausdrücke und Phrasen ein:

Sitzen alle in einem Boot ...

jetzt zusammen durchhalten ...

harte Zeiten ... schaffen wir schon ...

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unbedingt an Frauen und Kinder denken ...

Er straffte seinen durchtrainierten Körper;

Beim Marathon lief er vielen davon,

sogar beim Triathlon;

nun schritt er gemessen und sportlich zugleich

seinem Auftritt als Retter entgegen.

Mit dem schon etwas älteren Ei, dessen Dotter

ihm über das Gesicht über den Schlipsknoten lief,

hatte er nicht gerechnet.

Er bekam etwas sehr sanfte, beinahe höfliche Haue,

man führte ihn zu seiner dicken Karre

und ließ ihn ziehen.

Er war benommen und gar nicht mehr fesch,

der Chef.

Dann wachte er auf.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.09.2015, Seite 10, Feuilleton

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