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Aus: Ausgabe vom 08.08.2015, Seite 16 / Aktion

Mutige Zeitung

junge Welt macht viel zu viele Aktionen. Aber manchmal hat sie keine andere Wahl
Von Dietmar Koschmieder
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Der Stellvertreter des »Hitler von Köln« und jahrelange »geheime Mitarbeiter« des Verfassungsschutzes J. H. hat nun über seinen Anwalt den ersten Kostenfestsetzungsbeschluss beim Kölner Landgericht gegen die junge Welt erwirkt. Dank Spenden in den Prozesskostenfonds ist das zunächst keine zusätzliche Belastung für unsere Kassen. Allerdings droht ein großes und aufgeblähtes Verfahren. Mal sehen, ob die aktuellen Worte der Kanzlerin da Bestand haben. In Fällen, in denen die Pressefreiheit betroffen sei, wäre eine »besonders sensible Abwägung« vorzunehmen, meinte sie.

Nicht nur in diesem Krimi, auch bei unserer Krimiaktion brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Hier erreichen uns nicht nur Bestellungen für den eigenen Haushalt, auch Spenden für Jugendhäuser, Bibliotheken, Bildungsstätten und Freizeitclubs fließen. Deshalb können wir einige dreimonatige Krimiabos kostenlos zur Verfügung stellen. Ihre Unterstützung für die junge Welt könnte also auch so aussehen, dass Sie uns eine Einrichtung in Ihrem Ort nennen, die sich über ein dreimonatiges kostenloses Abonnement freuen würde. Dieses Abo endet automatisch, muss also nicht abbestellt werden. Fragen Sie also nach, ob Ihre Szenekneipe oder Ihr Vereinshaus die Zeitung für drei Monate auslegen will – und schicken Sie uns die Adresse. So kann man uns auch mit leerem Geldbeutel unterstützen.

Eigentlich sollte man nie mehr als eine Aktion fahren, wir haben aber leider nicht immer die Wahl. Deshalb läuft zur Zeit auch noch unsere Onlinekampagne, die Ende kommender Woche ausläuft. Bitte überlegen Sie sich also, ob Sie zu Ihrem Printabo noch ein Onlineabo für nur fünf Euro im Monat hinzunehmen – oder ob Sie neben dem Kioskkauf auch dieses Onlineangebot nutzen wollen (dann für 13,70 Euro oder als Sozialabo für 9,70 Euro). Sozusagen für den ersten Überblick schon am Vorabend des Erscheinungstages der Druckausgabe und für den freien Zugang zu unserem Onlinearchiv. Es sind die regelmäßigen Einnahmen aus Print- und Onlineabonnements, die unsere tägliche Arbeit absichern. Wir wollen unabhängig bleiben. Aber die bescheidenen Zeilengelder für die Autoren und die mageren Gehälter hier im Hause müssen eben doch aufgebracht werden.

Und weil das noch immer nicht genug ist, haben wir eine weitere Kampagne gestartet, mit der wir bis zur XXI. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 9. Januar 2016 in Berlin das 2.000ste Mitglied in unsere Genossenschaft LPG junge Welt eG aufgenommen haben wollen. Dazu fehlen uns noch 309 Leserinnen und Leser bzw. Unterstützerinnen und Unterstützer der jungen Welt, die einen Anteil von 500 Euro (oder mehrere Anteile) zeichnen und so Mitherausgeber dieser Zeitung werden. Hört sich gar nicht so viel an, wird aber nur schwer zu erreichen sein. Doch wir stellen uns ja in der Regel auch keine einfachen Ziele.

Notwendig sind solche Kampagnen, um materiell über die Runden zu kommen und Angriffe abzuwehren. Aber auch, um Chancen und Möglichkeiten, die sich uns anbieten, voll ausschöpfen zu können. Im kommenden Jahr wollen wir einen zweiten Druckstandort nutzen. Damit wird erstmals in der Geschichte die aktuelle jW-Ausgabe bundesweit an Kiosken erhältlich sein. Diese Anstrengung ist aber nur sinnvoll, wenn wir zum gleichen Zeitpunkt mit einer großen Kampagne die Menschen darauf hinweisen, dass es so eine außergewöhnliche Zeitung nun auch an ihrem Kiosk zu kaufen gibt.

Vor all diesen besonderen Aktivitäten kommt unsere Tagesarbeit: Informationen, Analysen, Einschätzungen zum Tagesgeschehen und zu historischen Prozessen werden für Sie, liebe Leserinnen und Leser, aufbereitet. Und dann ist diese Zeitung in vielen Teilen des Landes zu präsentieren, nur so können wir neue Abonnenten und Genossenschaftsmitglieder gewinnen. Wie am vorigen Sonnabend im Ostseeheilbad Graal-Müritz, wo wir auf dem Friedensfest unsere Zeitung vorstellten. Ein älterer Leser fragte uns dort, wie wir es nur geschafft haben, aus einer drögen, langweiligen und braven Jungen Welt, so eine freche, radikale und mutige Zeitung zu machen. Die Antwort ist einfach: junge Welt war schon immer eine marxistische Zeitung, gegen Kapitalismus, für Frieden und internationale Solidarität. Das war zu DDR-Zeiten regierungskonform und somit für manche auch brav. Heute sind solche Positionen jedenfalls aufrührerisch und mutig. Und ohne die großartige Unterstützung der Leserinnen und Leser auch nicht durchzuhalten.

Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren. Denn nicht allen lernen die junge Welt kennen, da durch die Beobachtung die Werbung eingeschränkt wird.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!

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