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Mehr als Sexismusabwehr

junge Welt steht für Aufklärung über gesellschaftliche Ursachen von Frauendiskriminierung

Von Jana Frielinghaus
Foto: Gabriele Senft
Mit feministischem Mehrwert: jW-Leserinnen auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz am 10. Januar

Mit dem, was Autorinnen wie Thea Dorn, Bascha Mika oder Facebook-Milliardärin Sheryl Sandberg unter Feminismus verstehen, haben wir nichts am Hut. Deren marktkonformer Selbstoptimierungswahn führt nicht zum »guten Leben« – am wenigsten für die vielen Menschen, die von Managerinnen abhängig sind. Denn die erledigen ihr Handwerk nicht wesentlich anders als Manager. Und am Ende haben nicht einmal die taffen Businessfrauen selbst etwas gewonnen. Denn, so Barbara Kirchner, die es als eine von wenigen Professorinnen im naturwissenschaftlichen Bereich wissen muss, über das Leben männlicher »Winner«: »Wer darauf neidisch ist, (… ) hat höchstwahrscheinlich einen schweren Dachschaden.«

junge Welt steht für einen anderen, für linken, marxistischen Feminismus. Für das Herausarbeiten der Folgen einer Politik im Interesse des Kapitals für Frauen, die weltweit für ihre Erwerbstätigkeit weniger Lohn bekommen als Männer und 90 Prozent der unentgeltlichen Arbeit verrichten. Oder dafür, politische und ökonomische Ursachen von Gewalt in den privaten Beziehungen, von Diskriminierung und Ausgrenzung zu benennen – oder die Interessen, die etwa katholische Kirche und Evangelikale nebenbei bedienen, wenn sie Frauen grundlegende Selbstbestimmungsrechte verweigern.

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Vor allem legt diese Zeitung – nicht nur, aber besonders auf der freitags erscheinenden Feminismus-Seite – Wert auf die Klarstellung, »dass Unterdrückung komplex und niemals auf die Unterwerfung entlang einer Kategorie (in diesem Fall Geschlecht) beschränkt ist«, wie es die spanische Literaturwissenschaftlerin Mari Paz Balibrea ausdrückt (in dem von Frigga Haug herausgegebenen Buch »Briefe aus der Ferne. Anforderungen an ein feministisches Projekt heute«, Argument Verlag, Hamburg 2010, 320 S., 18,50 Euro). Und sie steht für die – ebenfalls von Balibrea formulierte – Anforderung an linksfeministische Projekte, »ihre Kämpfe mit denen anderer zu verknüpfen (nicht, sie ihnen unterzuordnen), um eine Veränderung hin zu mehr Gerechtigkeit für alle Unterdrückten« zu erreichen.

Das Aufbegehren gegen die Verwirrung, die kapitalistischer Konsumterror gerade unter unseren Töchtern stiftet, gegen von der Kosmetik-, Fitness-, Wellness- und Modeindustrie vermittelte kranke Schönheitsideale, aber auch gegen den offenbar unverwüstlichen Zotensexismus, ist zwar wichtig. Es reicht aber nicht, solange Frauen weiter massenhaft in ökonomische Abhängigkeit und Niedriglohnexistenzen getrieben werden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.03.2015, Seite 16, Aktion

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