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Lenz gestorben

Am Dienstag starb der Schriftsteller Siegfried Lenz in Hamburg. Er wurde 88 Jahre alt. Günter Grass, Martin Walser, Siegfried Lenz - das sind die Großschriftsteller einer untergegangenen Zeit, nämlich die der alten Bundesrepublik. Alle hatten in der Jugend irgendwas mit den Nazis zu tun und alle erinnerten sich daran spät oder gar nicht oder sagten, das sei alles ganz anders gewesen als man meine. Und dann waren sie alle Gruppe 47 und natürlich SPD, weil das Adenauer-Regime nicht zum Aushalten war, in seiner Geist-, Freud- und Geschichtslosigkeit. Und für einen kurzen Moment, als der Antifaschist Willy Brandt 1969 Bundeskanzler wurde, sah es so aus, als ginge es auch anders in diesem Land.

Der berühmteste Roman von Lenz heißt »Deutschstunde« (1968), er handelt von einem Polizisten, der in der Nazizeit das Malverbot seines Freundes überwacht. Kampf und Zerstörung, das sind die deutschen Tugenden, die im Fussball bis heute groß geschrieben werden - hier werden sie als Vater-Sohn-Konflikt verhandelt. Die Erstauflage von »Deutschstunde« wurde 700 000 mal verkauft, gleichwohl hantiert Lenz darin nach Ansicht von »Kindlers Neuem Literaturlexikon« mehr mit moralischen, als politischen Kriterien und bescheidet sich mit einem »anekdotischen Realismus«, wobei man wieder bei seinen Kollegen Walser und Grass angelangt ist. Wie diese war er ungemein produktiv. Seine 1999 abgeschlossene Werkausgabe umfasst 10 000 Seiten, und die Weltauflage seiner in 30 Sprachen übersetzten Romane, Theaterstücke und Essays liegt bei 25 Millionen.(jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.10.2014, Seite 11, Feuilleton

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