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Aus: Ausgabe vom 24.07.2014, Seite 10 / Thema

Exekutionen im Morgengrauen

Von Rainer Werning
Am 15. März 2005 stürmte eine Spezialeinheit der Philippinischen Nationalpolizei den Hochsicherheitstrakt im Camp »Bagong Diwa«. Am Tag zuvor hatten Alhamser Manatad Limbong, ein mutmaßlich führendes Mitglied der Abu Sayyaf-Gruppe (ASG) und besser bekannt unter seinem Alias »Commander Kosovo«, und fünf Mitgefangene dort eine Meuterei angezettelt und zu fliehen versucht. Ein sofort unter Führung des Direktors der Nationalpolizei, General Arturo Lumibao, und des Innenministers Angelo Reyes eingesetztes Krisenmanagementteam versuchte zu vermitteln und die Meuterer zur Aufgabe zu bewegen. Letztere allerdings knüpften daran fünf Bedingungen, die zuvor erfüllt werden müßten: ein schnelleres Gerichtsverfahren; Respektierung der Menschenrechte; angemessene Sicherheit; besseres Essen und ein Gespräch mit Medienvertretern über ihre Lage.

Nachdem die ganze Nacht über verhandelt worden war, erteilten die Verantwortlichen des Krisenmanagements Spezialeinheiten der Polizei am Morgen des 15. März den Befehl, den Hochsicherheitstrakt gewaltsam zu stürmen. Etwa 300 Männer des Kommandos sprengten das Eingangstor auf und feuerten Tränengasgranaten auf die Gefängniszellen. Am Ende des Tages waren 26 Häftlinge, drei Gefängniswärter sowie ein Polizeioffizier ums Leben gekommen. Unter den Toten befanden sich neben Limbong weitere einst hochrangige Mitglieder der ASG – darunter auch der damals schon an den Rollstuhl gefesselte Ghalib Andang alias »Commander Robot«. Dieser hatte im Sommer 2000 auch in den bundesdeutschen Medien Aufsehen erregt, weil er auf der südphilippinischen Insel Jolo mehrere westliche Touristen (unter ihnen die Familie Wallert aus Göttingen) wochenlang als Geiseln gefangenhielt.


Während die damalige Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo diese gewaltsame Beendigung der Meuterei als »Sieg gegen den Terrorismus« feierte, schlugen die staatliche Menschenrechtskommission und die unabhängige Menschenrechtsorganisation PAHRA gänzlich andere Töne an. Sie beklagten den »exzessiven Einsatz von Gewalt« und deren »Unverhältnismäßigkeit«. Schließlich hätten weniger als zehn der über 400 Gefangenen einen Fluchtversuch geplant. Bei der Erstürmung des Gefängnisses seien die Häftlinge halbnackt zusammengetrieben und geschlagen worden, obgleich zu keiner Zeit ein »extremer Notstand« geherrscht habe. PAHRA sprach gar von »gezielten Hinrichtungen« seitens der Spezialeinheiten. Offensichtlich habe man mit den einsitzenden ASG-Kommandeuren »kurzen Prozeß« gemacht. Ein Jahr später, am 8. März 2006, hagelte es auch harsche Kritik aus den USA, als die Verfasser des Menschenrechtsreports 2005 des US-State Department die Philippinische Nationalpolizei als den »schlimmsten Verletzer« der Menschenrechte in der Inselrepublik bezeichneten.

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