Aus: Ausgabe vom 14.01.2014, Seite 12 / Feuilleton

Wiki-Promotion

Die Enzyklopädie Wikipedia ist schlechter als ihr Ruf. Der Journalist Marvin Oppong hat für die Otto-Brenner-Stiftung der IG Metall die Studie »Verdeckte PR in Wikpedia« verfaßt, in dem der Einfluß sogenannter Paid Editors auf das »Weltwissen«, wie er es nennt, dokumentiert. Ein Paid Editor ist ein Wikipedia-Autor, der sich von Firmen dafür bezahlen läßt, bestimmte Einträge in Wikipedia zu polieren und zu manipulieren, zum Beispiel wenn es um die Geschichte deutscher Firmen in der Nazizeit geht, Atomkraft oder Scientology. Oppong kommt zu dem Schluß: »PR und Manipulation sind in Wikipedia allgegenwärtig. (…) Die Wikipedia-Community vermag des Problems nicht selbst Herr zu werden. Unternehmen, Verbände und Parteiapparate sind personell zu gut bestückt und finanziell zu gut aufgestellt, als daß die Wikipedia-Community mit ihren Freiwilligen gegen die zahlreichen Manipulationsversuche ankommen könnte. Zu groß ist die Zahl der Unternehmenspressestellen und PR-Agenturen, zu klein der harte Kern der Wikipedia-Community.« Aus diesem Grund fordert Oppong eine neuen Ethik-Kodex, mehr Transparenz und Kontrolle für Wikipedia. Die Studie ist auf der Website der Otto-Brenner-Stiftung herunterladbar. (jW)
Mehr aus: Feuilleton