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Auf dem Sims

Auch mehr als 30 Jahre nach Rainer Werner Fassbinders Tod greifen Videokünstler seine Themen und ästhetischen Strategien auf. In der Ausstellung »Fassbinder – JETZT« werden im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main ab dem 30. Oktober aktuelle Videoarbeiten Ausschnitten aus Fassbinders Filmen gegenübergestellt. Beteiligte Künstler sind unter anderem Tom Geens, Jesper Just und Ming Wong. Der Vergleich ihrer Arbeiten mit den Fassbinder-Filmen soll wechselseitige Impulse der Interpretation ermöglichen. Juliane Maria Lorenz, die Präsidentin der Rainer Werner Fassbinder Foundation Berlin (RWFF), erteilte den Kuratoren die Erlaubnis, alle schriftlichen Dokumente erstmals zu sichten. Sie war Cutterin bei 14 Fassbinder-Filmen und lebte viele Jahre mit ihm zusammen. Laut Lorenz ging es Fassbinder vorranging um Widerständigkeit. »Er war ziemlich tricky, wenn er einem Aufgaben zuwies: Er hat sehr oft ausgetestet, wie weit er gehen kann, wie weit er jemanden belasten kann. Das hat er natürlich nicht mit Hanna Schygulla gemacht, und nicht mit Peter Märthesheimer, aber mit Irm Hermann hat er das aufs Äußerste getrieben«, erzählte Lorenz in einem Interview mit dem Deutschen Filmmuseum. »Jemand wie Irm hatte sicherlich eine tolle Leidensfähigkeit, aber sie hat sich auch gewehrt, sie hat geschrien, geweint, gedroht: ›Ich bring‘ mich um!‹ Und ist auf den Fenstersims gesprungen. Sie wollte sicher nicht wirklich springen. Er hat nur ruhig gesagt: ›Spring raus!‹ Später hat er allerdings zu mir gesagt, ›Du, wenn sich einer beschweren kann, dann ist es die Irm.‹ Wenn sich ihm jemand gerne unterwarf, das ertrug er nicht. ›Wie weit kann ich gehen?‹ – darum ging es immer wieder. Ich glaube, das ist eine Charakterschwäche. Da konnte er zu weit gehen.« (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 18.10.2013, Seite 12, Feuilleton

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