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Aus: Ausgabe vom 10.06.2013, Seite 16 / Sport

Handball

Abstieg als Premiere
Großwallstadt trägt Trauer: Erstmals nach 44 Jahren ist das Gründungsmitglied der Handball-Bundesliga abgestiegen. Ein Pünktchen fehlte dem Altmeister am Ende zum Klassenerhalt. Doch der Niedergang des ruhmreichen Klubs hatte sich schon lange vor der 29:32 (10:16)-Niederlage am letzten Spieltag gegen den THW Kiel angekündigt. Wie es beim TVG nun weitergeht, steht in den Sternen.

»Der Abstieg ist eine Katastrophe. Für den Verein, für die Spieler und für die Region«, sagte TVG-Sportdirektor Peter Meisinger anschließend. Er habe die Hoffnung, »daß es hier noch irgendwie weitergeht«. Nur zwei Spieler haben einen Vertrag für die kommende Saison. Die Lizenz für die 2. Liga ist längst nicht gesichert.

Weil der VfL Gummersbach zeitgleich sein Heimspiel gegen den Mitabsteiger TV Neuhausen verlor, hätte ein Punkt gegen die Kieler am Ende gereicht. Die Pleite gegen den Branchenprimus war dabei nur der dramatische Schlußakkord einer desaströsen Saison. Neben sportlicher Unbeständigkeit beschleunigte eine kontinuierliche Mißwirtschaft in der TVG-Führungsetage den tiefen Fall des einstigen Vorzeigeklubs. Monatelang warteten die Spieler in dieser Spielzeit auf ihre Gehälter, vorübergehend traten sie sogar in den Streik. Die Zeiten, in denen die »Wällster« Titel en masse einheimsten und mit Spielern wie Kurt Klühspies, Martin Schwalb oder Uli Roth den deutschen Handball dominierten, sind längst vorbei.

Auch Meisinger, der als Spieler noch die große Zeit erlebte, zieht sich ab Sommer offiziell zurück, gemeinsam mit Trainer Peter David. Dessen Nachfolger Khalid Khan steht vor einer schwierigen Aufgabe. Meisinger hält einen Zwangsabstieg in die 3. Liga nicht für ausgeschlossen. »Man muß auf soliden Füßen stehen, ansonsten sollte man die Finger davonlassen. Wenn es nicht geht, müssen wir aufgeben«, sagte er Meisinger dem SID. Die mangelnde Wirtschaftskraft in der unterfränkischen Provinz sieht er als größtes Problem des Vereins. (sid/jW)

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