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Aus: Ausgabe vom 04.05.2013, Seite 13 / Feuilleton

Untot: Westbam

Das Geld arbeitet, das Holz arbeitet, der Westbam arbeitet – drei ideologische Arbeitsbegriffe aus der späten Industriegesellschaft. »Ich würde es frevelhaft finden zu sagen: nee, das habe ich nicht nötig. Es ist mein Beruf, und dem wird ordentlich nachgegangen« hat Westbam dem Spiegel vor zwei Wochen erzählt. Er fahre jeden Morgen »in sein Berliner Studio an der Spree, als wäre er bei einer Versicherung angestellt« schreibt das Blatt. Und zu Hause? »Ein paar hunderttausend Euro hält er heute stets im Fluß. Mit denen setzt er sich abends vor den Computer und schiebt sie herum zwischen verschiedenen Aktien und Fonds«.

Zum »30jährigen DJ Jubiläum 2013« hat der überaus eloquente Techno-Händler nach Angaben seiner Plattenfirma ein Album vorgelegt, »an dem er drei Jahre gearbeitet hat«. Es heißt »Götterstrasse«. Darauf singen ihm unter anderem Richard Butler (Psychedelic Furs), Bernard Sumner (New Order), Kayne West (Bayern München), Hugh Cornwell (Stranglers), Inga Humpe (ZDF-Hitparade) und Iggy Pop (Ronald-Reagan-Soli-Gruppe) eingeweckte Tracks ein, die atmosphärisch entfernt an New-Wave-Schlager der späten 80er erinnern. Westbam haut dazu stupide auf die Pauke und dreht flirrende Rave-Sounds rein. Das ist so stumpf und blöde, daß Fließbandarbeit und Fabrikregime dagegen kontemplativ wirken. (cm)


Westbam: »Götterstrasse« (Vertigo/Universal)

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