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Geld oder Leben. Suhrkamp-Chefin gerichtlich abberufen

Die Rechtsstreitigkeiten zwischen den Suhrkamp-Gesellschaftern haben am Montag einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Firmenchefin Ulla Unseld-Berkéwicz muß schlappe 300000 Euro Schadenersatz an den Verlag zahlen, entschied das Landgericht Berlin und berief die Verlegerwitwe als Geschäftsführerin ab, indem es diesen Beschluß der Gesellschafterversammlung 2011 rückwirkend in Kraft setzte. Eine Begründung lag zunächst nicht vor. Wie auch immer sie ausfällt: Das Urteil ist ein Punktsieg des Klägers Hans Barlach, der 39 Prozent des Unternehmens hält. Der Enkel des Bildhauers Ernst Barlach war in diesem Fall vor Gericht gezogen, weil Ulla Unseld-Berkéwicz Teile ihrer Privatvilla im Berliner Nobelviertel Nikolassee seit 2011 an den Verlag vermietet. Daß jemand an sich selbst Räume vermietet, mochten die Richter nicht so selbstverständlich finden wie Suhrkamps Promianwalt Peter Raue, der am Wochenende noch erklärt hatte: »Diesem Verfahren sehe ich gelassen entgegen.« In Frankfurt am Main habe Barlach bedrohlichere Prozesse angestoßen. Sie sind dort auf den Zielgeraden. Verständnis für Barlach hat Raue kaum. Aus »ganz tief sitzende (m) Haß gegen die Suhrkamp-Kultur« wolle Barlach »Geld oder den Verlag zerstören«, und zwar 30 Millionen (statt der gebotenen sieben). Ein recht archaisches Duell, für das die Suhrkamp-Chefin bisher allerdings noch kein Interesse aufbringen konnte. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 11.12.2012, Seite 13, Feuilleton

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