Zum Inhalt der Seite

»Aggression und Selbstmitleid«

Die israelische Regierung plant den drohenden Angriff auf den Iran offenbar detailliert und kalkuliert auch einen Gegenschlag sowie Tote auf der eigenen Seite ein, während Opfer auf iranischer Seite die Kriegstreiber nicht zu kümmern scheinen. »Die Analysen deuten auf einen Krieg an mehreren Fronten hin, der 30 Tage dauern würde«, sagte Zivilschutzminister Matan Vilani am Mittwoch der Zeitung Maariv. Er bestätigte die Einschätzung von Verteidigungsminister Ehud Barak, daß etwa 500 Israelis sterben dürften, wenn jeden Tag Hunderte Raketen auf die Städte des Landes niedergingen.

Im Falle eines Angriffs auf den Iran rechnet die Regierung mit Vergeltung aus dem Iran, aus den palästinensischen Gebieten und aus dem Libanon. Schätzungen gehen davon aus, daß die Palästinenser im Gazastreifen über 10000 und die Hisbollah im Libanon über 50000 Raketen verfügen, die auch Tel Aviv erreichen könnten. Der israelische Raketenschild dürfte nur einen Teil davon abwehren können.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Barak befürworten Medienberichten zufolge einen Angriff auf den Iran noch vor der US-Präsidentschaftswahl im November. Allerdings fehle beiden Politikern dazu die entscheidende Unterstützung sowohl im Militär als auch im Sicherheitskabinett. Unterstützung aus der Bevölkerung gilt ebenfalls als unsicher. Der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld erklärte mit Blick auf die Kriege gegen Libanon und die Palästinenser: »Mehr als 20 Jahre des Kämpfens gegen die Schwachen haben in Israel eine widerliche Mischung von Aggression und Selbstmitleid hervorgebracht.«

Gegen den drohenden Krieg finden in Israel derzeit täglich Friedensdemonstrationen statt. Vor allem die Residenz von Verteidigungsminister Ehud Barak in Tel Aviv ist das Ziel von allabendlichen Kundgebungen des Linksbündnisses Hadash. (Reuters/jW)
junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 16.08.2012, Seite 1, Ausland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!