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Naziverbrecher in Ungarn verhaftet

Budapest. Fast 70 Jahre, nachdem er maßgeblich an der Deporta­tion von Tausenden Juden in das Konzentrationslager Auschwitz beteiligt gewesen sein soll, ist Laszlo Csatary in den Händen der Justiz. Der jahrelang untergetauchte Ungar wurde am Mittwoch festgenommen und wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen angeklagt, wie die Staatsanwaltschaft in Budapest mitteilte. Die Staatsanwälte beantragten am Mittwoch die Verhängung eines Hausarrests gegen den mittlerweile 97jährigen. Csatary sei angesichts seines Alters in gutem körperlichen und geistigen Zustand, hieß es.

Die ungarischen Behörden waren durch einen Tip des Simon-Wiesenthal-Zentrums und Recherchen der britischen Boulevardzeitung The Sun auf die Spur Csatarys gekommen, der offenbar jahrelang unbehelligt in der ungarischen Hauptstadt Budapest lebte. Csatary soll im Jahr 1944 bei der Deportation von 15700 eine wichtige Rolle gespielt haben. Zudem soll der ehemalige Polizeichef von Kosice im ungarisch besetzten Teil der Slowakei 1941 maßgeblich an der Deportation von 300 Juden in die Ukraine beteiligt gewesen sein.

Csatary war 1948 in Ungarn zum Tode verurteilt worden und im Jahr darauf nach Kanada gereist, wo er eine neue Identität annahm und 1995 auch die Staatsangehörigkeit erhielt. Jahrzehntelang arbeitete er in Kanada als Kunsthändler. Nachdem seine wahre Identität 1997 aufgeflogen war, annullierten die Behörden dort seine Staatsangehörigkeit. Csatary konnte aber fliehen und galt 15 Jahre lang als verschwunden.

(dapd/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 19.07.2012, Seite 6, Ausland

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