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Hintergrund: Revolutionäre Zellen

RZ
Die Revolutionären Zellen (RZ) waren eine Stadtguerillagruppe, die Anfang der 1970er Jahre in der BRD gegründet wurde und dort bis 1992 militante Aktionen verübte. Die Mitglieder der radikal linken Organisation fühlten sich dem internationalistischen, antiimperialistischen und sozialrevolutionären Kampf verbunden.

So attackierten die RZ etwa wegen der US-Beteiligung am Putsch in Chile 1973 Einrichtungen der USA in der Bundesrepublik. 1975 legten RZ-Mitglieder einen Brand am Bamberger Dom, um auf die Rolle der Kirche bei der Unterdrückung von Frauen aufmerksam zu machen. Es folgten Attentate auf das Bundesverfassungsgericht, verschiedene Anschläge auf Industrie- und Handelskammern und auf israelische Einrichtungen. Letztere wurden mit der brutalen Unterdrückung der Palästinenser begründet.

Die Mitglieder der RZ bzw. der im Jahr 1977 aus ihnen entstandenen Frauengruppe »Rote Zora« verzichteten im Gegensatz zur Roten Armee Fraktion (RAF) auf jeglichen Avantgardeanspruch. Sie begriffen sich als militanter Teil sozialer Bewegungen – etwa der gegen den Bau der Startbahn West in Frankfurt am Main oder der Anti-AKW-Bewegung.


In einer der RZ-Erklärungen hieß es: »Widerstand heißt nicht, den Kopf unter den Arm zu packen, die Knarre in die Hand und loszurennen. (…)Widerstand heißt: über jede Form des Reformismus, der Arschkriecherei und des Anbiederns an dieses System hinauszugehen. Das fängt an, wo man lebt und arbeitet. Am Arbeitsplatz, wo man sich durch Maschinenausfälle gegen die Arbeitshetze wehren kann, geht über kleinere und größere Brände bei Firmen, über Streiks, Fabrikbesetzungen, Demonstrationen über Angriffe auf die Institutionen der gegen das Volk ›Regierenden‹ und der Unterdrücker bis hin zu Bestrafungs-, Rache- und Befreiungsaktionen«. Nach der Annexion der DDR stellte das Gros der RZ-Mitglieder seine Aktivitäten ein, da sie nach eigener Auffassung keine zufriedenstellende Antwort auf die gesellschaftlichen Umwälzungen geben konnten.

(bern)
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Erschienen in der Ausgabe vom 16.07.2012, Seite 3, Schwerpunkt

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