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Aus: Ausgabe vom 08.06.2012, Seite 13 / Feuilleton

Ray Bradbury tot

He will be missed«, twitterte am Mittwoch der 86jährige Playboy-Chefredakteur Hugh Hefner, und meinte den Vielschreiber Ray Bradbury, der am Tag zuvor im Alter von 91 Jahren in Kalifornien gestorben war. Bradburys bekanntester Roman »Fahrenheit 451« ist Anfang 1954 zuerst im Playboy erschienen, in drei Folgen. Geschrieben wurde er in der Bibliothek der Universität von L. A. auf Schreibmaschinen, die man für zehn Cent pro Stunde mieten konnte. Keine zehn Dollar Miete wollte Bradbury für das schlicht gestrickte Buch ausgegeben haben, das man als flammende Warnung vor dem »Iconic Turn« (Dr. Hubert Burda) lesen kann, der damals aber noch Siegeszug des Fernsehens hieß.

Wenn dieser Playboy-Fortsetzungsroman eine Message hat, dann: Bücher sind wichtig. Über die Jahre kam Bradbury damit in einige Lehrpläne. Betroffene Schüler konnten sich an das Fernsehen halten. Truffaut hatte das Buch 1966 verfilmt, und dabei auch den hemdsärmeligen Titel übernommen. Dieser bezieht sich auf die Selbstentzündungstemperatur von Buchseiten, die allerdings bei 450 Grad Celsius liegt, also doppelt so hoch ist – Bradbury hatte die Einheiten durcheinandergebracht.

Trotzdem war er stinksauer, als Michael Moore 2004 einen Dokfilm »Fahrenheit 9/11« benannte: »Ein dämlicher Drecksack. So denke ich über ihn. Er hat meinen Titel geklaut und die Zahlen ausgewechselt, ohne mich jemals um Erlaubnis zu fragen.«

Zu Bradburys Lebenswerk gehört auch das Design von Shopping-Malls in L.A. (an den Entwürfen der Glendale Galleria und des Westside Pavilion war er beteiligt). Sein erster Erfolg, »Die Mars-Chroniken« (1950), gehört zu seinen rationaleren Arbeiten, schrieb Dietmar Dath in seinem Nachruf in der FAZ: »Politisch konservativ bis zur Sturheit, sozial dem Umbruch und der Auflösung des Vertrauten zutiefst abhold, war Bradbury ein Phantast, der noch in (...) den ›Martian Chronicles‹ von 1950 eine skeptische Haltung Wort werden ließ, die von der Zukunft zu flüstern schien, sie sei am besten schon in dem Augenblick vorüber, in dem wir uns nach ihr strecken, weil uns die Anstrengung der Selbstverwandlung sonst zerbricht.« (jW)

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