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Aus: Ausgabe vom 28.02.2012, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Lesetips

Kliniken I

Seit Jahren werden Krankenhausleistungen über sogenannte Fallpauschalen abgerechnet. Die unter dem Kürzel DRG (Diagnosis Related Groups) firmierenden Pauschalen haben die Betriebsökonomie der Klinken grundlegend verändert. Statt Einzelleistungen oder Bettentage zu honorieren, erhalten die Krankenhäuser seither eine Pauschalzahlung für die Behandlung bestimmter Krankheitsbilder – unabhängig vom konkreten Aufwand. Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) und des Zentrums für Sozialpolitik (ZeS) der Uni Bremen, deren Ergebnisse in der Zeitschrift Mitbestimmung zusammengefaßt sind, beschäftigt sich mit den Auswirkungen des neuen Systems auf Patienten und Beschäftigte. Das Resultat ist demnach deutlich negativ: »Die Fallpauschalen haben zu mehr Streß bei Ärzten und Pflegekräften geführt. Obwohl vor allem das Pflegepersonal mehr leisten muß, weil mehr Patienten in kürzerer Zeit versorgt werden müssen, haben viele Kliniken seit Jahren kontinuierlich Personal abgebaut.« Als zusätzliche Belastung wird zudem der erheblich gestiegene Dokumentationsaufwand empfunden.

Die Folgen spüren Beschäftigte und Patienten gleichermaßen. Waren 2003 noch fast 80 Prozent der Pfleger der Meinung, sie seien in ihrer Ausbildung ausreichend auf ihre Aufgaben vorbereitet worden, waren es 2006 nur noch gut 60 Prozent. Von den Ärzten meinen nur 14 Prozent, sie könnten ihren Patienten genügend soziale und emotionale Zuwendung zukommen lassen. Und von den Kranken selbst hat nur jeder dritte den Eindruck, seine Behandlung sei gar nicht von Kostenerwägungen beeinflußt. »Ein alarmierendes Signal«, finden die Forscher.

(jW)

Mitbestimmung. Das Magazin der Hans-Böckler-Stiftung, 1+2/2012, 74 Seiten, Jahresabo: 50 Euro

Kliniken II

Bestätigt wird die bedenkliche Entwicklung in den Kliniken in einer Sonderauswertung des DGB-Indexes »Gute Arbeit«, auf die ein Beitrag in der gleichnamigen Fachzeitschrift hinweist. Demnach beurteilen lediglich neun Prozent der Krankenhausmitarbeiter ihre Arbeit als gut. Im Durchschnitt aller Erwerbstätigen hierzuland sehen das immerhin 15 Prozent so. Eine weitere erschreckende Zahl: 52 Prozent der Klinikbeschäftigten – im Pflegedienst gar 67 Prozent – können sich nicht vorstellen, ihre derzeitige Tätigkeit bis ins Rentenalter auszuüben. Als Gründe benennen die Autoren auch hier zu geringe Finanzmittel, die Deckelung der Krankenhausbudgets und die Einführung von »Fallpauschalen«. (jW)

Gute Arbeit. Gesundheitsschutz und Arbeitsgestaltung, 2/2012, 40 Seiten. www.­gutearbeit-online.de

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