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Türkei: Massaker als »Betriebsunfall«

Diyarbakir. Erst einen Tag, nachdem 35 kurdische Dorfbewohner durch einen Luftangriff im türkisch-irakischen Grenzgebiet getötet wurden, hat sich ein Politiker der regierenden AKP-Partei zu der Bombardierung geäußert. Es habe sich um einen »Betriebsunfall« im Kampf gegen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gehandelt, sagte der stellvertretende AKP-Vorsitzende Hüseyin Celik am Donnerstag abend in Ankara. Sollte es sich bei dem Angriff um »einen Irrtum oder ein Fehlverhalten« der Armee gehandelt haben, werde »die Sache nicht vertuscht«.

Die PKK-Führung erklärte in einer in der Nacht zum Freitag verbreiteten Stellungnahme, bei der mit Hilfe von US-Aufklärungsdrohnen durchgeführten Bombardierung habe es sich um ein planmäßiges Massaker gehandelt. In der Region gäbe es keine Guerillaaktivitäten, versicherte PKK-Kommandant Bahoz Erdal. Die Organisation ruft jetzt zum »Serhildan« (Aufstand) gegen den türkischen Kolonialismus auf.


In den kurdischen Städten Diyarbakir und Yüksekova ging die Polizei bereits am Donnerstag mit Pfefferspray gegen Trauerdemonstrationen vor, in Istanbul wurde eine Protestkundgebung verboten.
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Erschienen in der Ausgabe vom 31.12.2011, Seite 6, Ausland

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