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Scham und Scheu

Das neueste Ding der Theologen ist die Ratlosigkeit. Ungefähr derart, wie Kinder es sich nicht erklären können, warum die Stehlampe im Wohnzimmer schon so schief ist, daß sie beinahe umfällt, bloß weil man sie immer in Abwesenheit der Eltern als Mikrophon für private Rock’n’Roll-Playback-Shows benutzt. Jedenfalls hat die Kulturbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bahr, »Berührungsängste« zwischen der Kirche und der »modernen Kultur« ausgemacht. »Es gibt eine wechselseitige Scheu oder auch Scham voreinander, das muß noch gar kein Befremden sein, denn oftmals ist es einfach ein diffuses Gefühl«, sagte die Theologin am Dienstag in Berlin, wo sie den ersten Kirchen-Kultur-Kongreß vom 15. bis 18. September organisiert. Was soll dort passieren? »Dieser Kongreß soll dazu ermutigen, sich auf Gegenwartskünste einzulassen und umgekehrt Gegenwartskünstler dazu ermutigen, sich in die sakralen Räume zu begeben und mit Christen zu sprechen.« Hallo, Sie, sind Sie ein Künstler? – Ja, sicher. Und Sie sind bestimmt ein Christ? – Nein, nein, ich kümmere mich um Stehlampen in Wohnzimmern. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 14.09.2011, Seite 12, Feuilleton

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