-
12.09.2011
- → Politisches Buch
Krise, Politiktheorie und Medienkritik: Das neue Z-Heft
Die sozialstrukturellen Verwerfungen, die sich unter dem Diktat des Finanzmarktkapitalismus herausgebildet haben, insbesondere das Wachstum des »prekären Sektors«, sind Thema des zweiten Schwerpunktes. Klaus Dörre und Steffen Liebig entwickeln ein Konzept der »sekundären Ausbeutung«, das plausibel machen soll, wie und warum es gelingen kann, in wachsenden Sektoren den für das Ausbeutungsverhältnis eigentlich gültigen Äquivalententausch de facto außer Kraft zu setzen und den Wert der Arbeitskraft drastisch zu senken.
Zur Frage, ob und wie die vergangene Finanz- und Wirtschaftkrise im Bewußtsein der Beschäftigten kapitalismuskritische Impulse freigesetzt hat, haben Richard Detje, Wolfgang Menz, Sarah Nies und Dieter Sauer in der IG Metall organisierte Betriebsräte und Vertrauensleute befragt. Globalisierungs- und kapitalismuskritische Positionen haben sich offenbar bereits vor der Krise unter dem Eindruck des neoliberalen Sozialabbaus entwickelt und in der Krise noch eine Verstärkung erfahren. Die Förderung demokratisch-emanzipatorischer Einstellungen thematisiert Guido Speckmann als wichtige Herausforderung für marxistische Kapitalismuskritik. Werner Seppmann fragt nach dem Zusammenhang von Krisenerfahrung und Widerspruchsbereitschaft. Er hebt hervor, daß die jüngste Krise für Lohnabhängige lediglich den Gipfelpunkt einer seit drei Jahrzehnten andauernden latenten Krisentendenz bilde. Frank Deppe und Werner Goldschmidt unterhalten sich im dritten Schwerpunkthema zur »Politiktheorie« in einem Gespräch über Deppes in fünf Bänden vorliegende »Geschichte des politischen Denkens im 20. Jahrhundert«.
Der Themenblock zur Medienkritik wird von Halina Wawzyniak eingeleitet. Sie stellt linken Klagen über Medienboykott die Forderung gegenüber, sich der neuen Online-Medien aktiv und selbstbewußt zu bedienen. Dieser Internetoptimismus wird von Marisol Sandoval mit etlichen Fragezeichen versehen. Andreas Diers, Bremen
Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr. 87, 224 Seiten, 10 Euro (Jahresabo 33.50 Euro). Bezug: Z. Postfach 500936, 60397 Frankfurt am Main, Tel./Fax: 069/53054406, E-Mail: redaktion@zme-net.de
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!