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15.07.2011
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Hintergrund: Humboldt-Uni nach 1990
Anfang Dezember 1990 behauptete die damalige Wissenschaftssenatorin Barbara Riedmüller-Seel (SPD), die Erneuerung gehe nicht zügig voran, weil die Fachbereiche Rechtswissenschaften, Erziehungswissenschaft, Geschichte, Philosophie und Wirtschaftswissenschaft von »belastetem« Personal dominiert seien. Sie müßten abgewickelt werden. Als sich an der Universität Protest regte, erklärte sie, es gebe keine konkreten Abwicklungspläne. Das war gelogen. Die Studierenden der Universität gingen mit Demonstrationen, Besetzungen und Mahnwachen gegen die Absichten des Senats vor. Am 31. 12. 1990 klagte Fink formell gegen den vier Tage zuvor übermittelten Senatsbeschluß zu Abwicklung und erreichte damit eine Aufschiebung. Ein Marsch von Berliner Studierenden nach Leipzig, der am 1. Januar 1991 begann, stieß zwar auf viel Sympathie in der Bevölkerung, die Leitungen anderer Hochschulen reagierten aber abweisend.
Nachfolgerin Finks wurde die Politikerin der Partei Bündnis90/Die Grünen, Marlis Dürkop, die in kürzester Frist Tausende Entlassungen vornahm. Symbolische Krönung ihrer Tätigkeit war die Verleihung der ersten Ehrendoktorwürde der Universität nach 1990 an den Gründungsdekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Wilhelm Krelle (1916–2004), im Zweiten Weltkrieg Kommandeur einer SS-Division und Duchhaltekrieger. Die Universität sah darin keinen Anlaß, ihm die Ehrendoktorwürde wieder abzuerkennen.
(asc)
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