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Verhaftungen im Sudan

Der sudanesische Opposi­tionsführer und Vorsitzende der islamischen Volkskongreßpartei, Hassan Al-Turabi, wurde in der Nacht auf Dienstag von Sicherheitskräften verhaftet. Nur wenige Stunden vorher hatte er gemeinsam mit anderen Oppositionspolitikern auf einer Pressekonferenz den Aufstand in Tunesien begrüßt und den Tunesiern zum Sturz von Zine El Abidine Ben Ali gratuliert. Was in Tunesien geschehen sei, könne auch im Sudan geschehen, hatte Al-Turabi gesagt, das »totalitäre Regime in Khartoum« müsse fallen. Die Bevölkerung wisse nicht mehr, wie sie ihre wirtschaftlichen Belastungen schultern könnte und sei politisch zudem verunsichert über das Referendum im Süden des Landes und einer möglichen Teilung. Eine Aufspaltung des Sudan könne »zentrifugale Kräfte« mobilisieren und das ganze Land zerbrechen. Omar Al-Bashir und die sudanesische Führung müßten auf die Bevölkerung hören, so Al-Turabi, einstiger Berater von Al-Bashir, der aber seit Jahren immer wieder verhaftet oder unter Hausarrest gestellt wird. Er verwies auf frühere Aufstände im Sudan, bei denen schon 1964 und 1985 Militärregime gestürzt worden seien. Die Ereignisse in Tunesien seien eine »Mahnung«, so Al-Turabi, die Oppositionsparteien bereiteten sich darauf vor, das Regime von Al-Bashir friedlich zu stürzen, wenn er die Macht nicht teile. Das Land sei »reif für einen Volksaufstand«, sagte auch Mubarak Al-Fadil von der Umma Partei, die 1986 die Wahlen gewonnen, später aber von Al-Bashir nach dessen Machtübernahme verboten worden war.

Zusammen mit Al-Turabi wurde eine unbekannte Zahl von Oppositionellen verhaftet. (kl)
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Erschienen in der Ausgabe vom 19.01.2011, Seite 3, Schwerpunkt

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