- → Aktion
Warum wir feiern
Die Geschichte der jungen Welt ist schnell erzählt, aber nicht unkompliziert
Teile der Belegschaft hatte zuvor gegen diesen Kurs mobilgemacht. Einige wenige wagten den wahnwitzigen Schritt, innerhalb weniger Tage nach dem verkündeten Ende der jungen Welt den Verlag 8.Mai zu gründen, die Titel- und Aborechte zu kaufen und die junge Welt weiter herauszugeben. Ein so kostenintensives Projekt kann aber auf Dauer nicht ohne finanzielle Unterstützung auskommen. Niemand aus der Belegschaft verfügte über notwendiges Kapital, keine Bank ist bereit, Kredite ohne Sicherheiten zur Verfügung zu stellen. Auch der damalige Schatzmeister der PDS, Dietmar Bartsch, verweigerte einen angefragten Kredit. Es blieb als einzige Chance die Gründung einer Genossenschaft. Allerdings dauerte es dann noch bis zum 7.Oktober 1995, dem Gründungstag der DDR, bis hierfür alle Voraussetzungen vorlagen. Und es dauerte nochmals zweieinhalb Jahre, bis in der LPG junge Welt eG genug Kapital angesammelt wurde, damit sie die Mehrheitsanteile am Verlag 8. Mai übernehmen konnte. Seither sind die Mitglieder der Genossenschaft Herausgeber der jungen Welt.
Was damals eine Notlösung war, erwies sich als Glücksfall: Weil die Finanzierung dieser Zeitung vor allem über selbsterwirtschaftete Mittel des Verlages und über Kredite der Genossenschaft erfolgt, bleibt die junge Welt bis heute unabhängig von großen Verlagshäusern, Parteien, Banken, Religionsgemeinschaften, Anzeigenkunden. Und das ermöglicht ihr bis heute kritischen Journalismus und marxistische Standpunkte. Allerdings steht die junge Welt heute wieder vor einem historischen Wendepunkt: Sie braucht nicht nur Geld, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten, sondern zusätzlich Kapital, um Print- und Online-Ausgabe der jungen Welt weiterzuentwickeln. Dieses wird sie auch heute nicht von Banken erhalten. Gemeinsam mit ihren Leserinnen und Lesern werden Verlag und Redaktion die notwendigen Mittel auch für diesen nächsten Schritt aufbringen.
Deshalb feiern wir in diesen Tagen viele Jahrestage: 63 Jahre Tageszeitung junge Welt, 61 Jahre Gründung der DDR, 15 Jahre Genossenschaft und Verlag 8. Mai, acht Jahre Berliner Büro Buchmesse Havanna. Demo-Christian begleitet uns übrigens seit Jahren auf diesem Weg. Als 1997 in Verlag und Redaktion ein erbitterter Streit über die inhaltliche Linie der jungen Welt ausbrach, erschien Demo-Christian mit einem Holzgewehr in den Verlagsräumen und wollte symbolisch Geiseln nehmen, bis sich die Kontrahenten wieder vertrügen. Sie hätten gefälligst ihrer historischen Verantwortung für dieses Projekt gerecht zu werden, war seine zentrale Forderung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
