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Schwimm-EM: Der Fall Munoz

Budapest. Am Dienstag abend ehrte Christa Thiel, Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), bei der Schwimm-EM in Budapest die Sieger über 50 m Schmetterling der Herren. Sie sah nicht besonders glücklich aus. Der Hamburger Steffen Deibler war Vierter geworden. Gewonnen hatte der Spanier Rafael Munoz.

Der »Fall Munoz« schlägt in Ungarn hohe Wellen. Eigentlich hätte der Weltrekordler aus Spanien gar nicht starten dürfen, denn in den zurückliegenden neun Monaten hatte er drei Dopingtests verpaßt. Das zieht im Normalfall eine Sperre von zwei Monaten bis zu zwei Jahren nach sich.

Das Doping-Panel des Weltverbandes FINA erkannte nach einem Gespräch mit Munoz kurz vor der EM allerdings dessen Entschuldigung an. Munoz hatte seinen »psychischen Zustand« als Begründung geltend gemacht, kam um eine Sperre herum und bekam grünes Licht für die EM.

»Natürlich besteht die Gefahr, daß andere Athleten durch diesen Fall ermutigt werden«, sagte Christa Thiel am Mittwoch. »Die sagen sich: Dann nehme ich mir halt auch einen Psychologen, der mir bestätigt, daß ich zu dem Zeitpunkt nicht an einem Dopingtest teilnehmen konnte.«


Doppelweltmeister Paul Biedermann war sicher: »Wenn ich drei Mißtests gehabt hätte, wäre das Geschrei groß gewesen und ich wäre bestimmt gesperrt worden.« Der viertplazierte Deibler moserte: »Die Regularien sind eigentlich eindeutig. Bei drei Mißtests erfolgt eine Sperre.«

Erik van Heijningen, Vorsitzender des Anti-Doping-Panels der FINA, beteuerte indes: »Wir haben uns nicht leichtfertig entschieden. Die Argumente des Arztes von Munoz waren überzeugend. Wer das als Präzedenzfall deutet, unterschätzt unsere Intelligenz.«

Munoz mag zu all dem keine Stellung beziehen. »Ich habe das alles hinter mir gelassen«, sagt der 22jährige nur. Nach seinem Sieg hat die Weltantidoping­agentur WADA die Unterlagen von der FINA angefordert und prüft einen Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS.

(sid/jW)
junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.08.2010, Seite 16, Sport

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