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Luxemburgs Selbstachtung

Das Neue Deutschland veröffentlicht in seiner heutigen Ausgabe einen bislang unbekannten Brief von Rosa Luxemburg. Er ist an die sozialdemokratische Pressekommission in Leipzig adressiert und datiert vom 27. Februar 1902. In dem 15seitigen handschriftlichen Schreiben in A-5-Format beschwert sich Luxemburg über Franz Mehring, damals Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung. Er habe einen Artikel von ihr »in einer Weise … zusammengestrichen u. verstümmelt, dass ich niemals meine Zustimmung zu der Veröffentlichung gegeben habe würde«. Dabei handelt es sich um einen am 25. September 1902 in der LVZ erschienenen, namentlich nicht gekennzeichneten Beitrag unter der Überschrift »Zur Schlichtung der polnischen Zwistigkeiten«, der das Verhältnis von polnischer und deutscher Sozialdemokratie thematisierte. Luxemburg-Forschern ist bis dato lediglich bekannt gewesen, daß es 1902 zu einem Zerwürfnis zwischen Rosa Luxemburg und Franz Mehring gekommen ist, die Gründe hierfür blieben jedoch weitgehend im Dunkeln. Das Rätsel löst der neu aufgefundene Brief. Er befand sich in Familienbesitz und konnte von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen käuflich erworben werden. Ihren Protest gegen die redaktionellen Eingriffe Mehrings in ihren Artikel begründete Rosa Luxemburg u.a. mit den Worten: »Es handelt sich hier nicht etwa um journalistische Eitelkeit oder gekränkte Eigenliebe, sondern um die elementarsten Gebote der schriftstellerischen Selbstachtung.«

(ots/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 19.04.2010, Seite 13, Feuilleton

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