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Fall Jalloh: Polizei unter Verdacht

Hamburg. Nach der Anordnung eines neuen Prozesses zum Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh im Dessauer Polizeigewahrsam fordert eine Menschenrechtsorganisation neue Ermittlungen. Der Vizepräsident der Internationalen Liga für Menschenrechte, der Bremer Rechtsanwalt Rolf Gössner, sagte dem Spiegel, er tendiere zwar nicht zu der Mordtheorie von Angehörigen und Freunden Jallohs, »aber diesem Verdacht muß stärker als bisher nachgegangen werden«. Wegen »Lücken« in der Beweisführung hatte der Bundesgerichtshof am vergangenen Donnerstag den Freispruch des Landgerichts Dessau für einen Polizeibeamten aufgehoben. Gössner sagte, die »unbewiesene Grundannahme« einer Selbsttötung habe bislang »die Option verbaut, auch andere Ursachen für das Entstehen des Feuers zu prüfen«. So seien verschiedene Indizien nicht hinreichend gewürdigt worden, die auf ein Verschulden Dritter hindeuten könnten, etwa der Nasenbruch und die Trommelfellverletzung Jallohs. Auch der Dessauer Rechtsextremismus-Experte Marco Steckel fordert, die Rolle der Polizei neu zu bewerten. Daß Beamte an der Entstehung des Brandes beteiligt gewesen sein könnten, »stehe immer noch als Hypothese im Raum«. Polizisten hatten den 23jährigen am 7. Januar 2005 in einer Zelle an Händen und Füßen gefesselt und auf einer Art Matratze fixiert. Trotzdem soll er mit einem Feuerzeug die Schaumstoffmatte angezündet haben.

(APN/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 13.01.2010, Seite 15, Antifaschismus

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