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Domina von der Leyen

Die neue Ausgabe der Gigi, »Zeitschrift für sexuelle Emanzipation«, zeigt Ursula von der Leyen auf dem Cover als »die Domina des Internets«. In der Titelgeschichte befaßt sich Autor Sebastian Anders mit dem von der Familienministerin entfachten Hype um Kinderpornographie als »Weg in den Totalitarismus«, als neueste Erfindung, um den Repressionsstaat auszuweiten. Hype deswegen, weil es nach Anders für den behaupteten Anstieg von Kinderpornographie im Internet keinerlei wissenschaftliche Hinweise gebe. Die Server, die sie verbreiten, stehen auch nicht in der sogenanten Dritten Welt, sondern im Westen, ihre kommerzielle Produktion findet nicht mehr statt, seit die ukrainische Regierung 2004 den letzten bekannten Hersteller geschlossen hat. Kinderpornografie gibt es nicht im World Wide Web zu kaufen, sie wird über IRC oder P2P-Netzwerke anonym getauscht. So ist es wenig verwunderlich, daß Kinderpornographie in den extra zu ihrer Bekämpfung erstellten Listen von zu verbietenden Internetseiten fast vollständig fehlt: Beispielsweise enthielt die dänische Verbotsliste vom Februar 2008 zwar 3863 Seiten, doch viele waren »nicht mehr erreichbar oder hatten den Inhaber gewechselt, ein großer Teil betraf herkömmliche Pornographie sowie ein niederländisches Transportunternehmen. Kinderpornographie war nahezu nicht zu finden, kommerziell vertriebene gar nicht.« Die thailändische Verbotsliste, die ausdrücklich zur »Eindämmung der Kinderpornographie« initiiert wurde, enthielt hauptsächlich Internetseiten, die die dortige Königsfamilie kritisierten. (jW)

Gigi Nr. 61, 2,50 Euro, zu beziehen über redaktion@gigi-online.de

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.05.2009, Seite 13, Feuilleton

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