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Aus: Ausgabe vom 17.03.2009, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Lesetips

Mehr Mitglieder

Lars Dieckmann von der IG BAU liefert im aktuellen Express einen interessanten Bericht über eine erfolgreiche Kampagne seiner Gewerkschaft bei der Charité-Tochter CFM. Dabei waren die Ausgangsbedingungen für gewerkschaftliche Organisierung bei der Dienstleistungstochter von Europas größtem Klinikum nicht die besten: In dem unter SPD und Linke teilprivatisierten Unternehmen arbeiten zum Beispiel Reinigungskräfte zu völlig unterschiedlichen Tarifbedingungen: Einigen Beschäftigten wurden nach Recherchen der IG BAU sogar die vorgeschriebenen Schutzimpfungen vorenthalten (jW berichtete).
Der Artikel beschreibt, wie die BAU-Gewerkschaft diese Probleme im Rahmen einer »Organizing«-Kampagne sowohl im Betrieb als auch in der Öffentlichkeit zum Thema machte, das Unternehmen unter Druck setzte und dabei auch neue Mitglieder organisieren konnte. Dieckmanns Fazit kann dabei durchaus Allgemeingültigkeit beanspruchen: »In Zeiten, in denen die vermeintliche Sozialpartnerschaft immer stärker ausgehöhlt wird, müssen sich die Gewerkschaften umorientieren. Doch ihre Stärke beziehen sie aus der Mitgliedschaft: Eine Gewerkschaft ohne aktive Mitglieder mag sich noch eine Weile als Mitglied in diversen staatlichen Gremien etwas Mitspracherecht sichern, auf dem politischen Feld besitzt sie jedoch keine Durchsetzungskraft zur Verbesserung der Lebensbedingungen mehr.« (jW)

Express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, Nr. 2/2009, 16 Seiten 3,50 Euro

Weniger Naivität

Die aus Gewerkschaftssicht alarmierenden Entwicklungen in der Europäischen Union bilden den Schwerpunkt der März-Ausgabe der Mitbestimmung, des Magazins der Hans-Böckler-Stiftung. Während ver.di-Chef Frank Bsirske »Chancen einer epochalen Wende« in der EU durch die Legitimationskrise des Neoliberalismus ausmacht, plädiert Hans-Jürgen Urban von der IG Metall in seinem Beitrag zunächst einmal dafür, daß sich die Gewerkschaften von ihrer naiven Europafreundlichkeit lösen. Ihm zufolge ist entscheidend, daß die Beschäftigtenorganisationen »die gegenwärtige Entwicklungsrichtung Europas ungeschminkt zur Kenntnis nehmen und mehr strategischen Mut aufbringen, an den macht- und demokratiepolitischen Voraussetzungen für ein soziales Europa zu arbeiten. Ansonsten dürfte dieses eine politische Fata Morgana bleiben – und die Gewerkschaften weiter an Macht verlieren.« (jW)

Mitbestimmung. Das Magazin der Hans-Böckler-Stiftung, Nr. 3/2009, 74 Seiten. Jahresabo: 50 Euro. www.­magazin-­mitbestimmung.de

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