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Pionierwerk

1994 grub der deutsche Archäologe Klaus Schmidt auf dem südostanatolischen Göbekli Tepe, einem Hügel im Hochland zwischen den Oberläufen von Euphrat und Tigris. Er stieß auf Überreste einer monumentalen steinernen Tempelanlage, mit deren Bau man vor 11600 Jahren begonnen hatte. Das bedeutet, daß die Geschichte der menschlichen Zivilisation mit diesen Monumentalbauten angefangen hat – zu einer Zeit, als Ackerbau und Viehzucht noch völlig unbekannt waren. Jagen und Sammeln war die einzige Methode, sich Nahrungsmittel zu beschaffen. Einige Indizien sprechen dafür, daß die Architekten der Kultstätte von Göbekli Tepe außerdem die Bilder- oder Hieroglyphenschrift erfunden haben. In Anatolien haben Menschen auch erstmals das Wildbeuterleben aufgegeben und sich auf die landwirtschaftliche Produktionsweise umgestellt. Hier wurde die älteste Stadt der Welt aus dem Boden gestampft, das erste Hochzeitsbild gemalt, der erste Friedensvertrag geschlossen. Hethiter und die Hurriter errichteten mächtige Reiche, die Griechen revolutionierten die Wissenschaften. Michael Zicks Buch ist eine packende Rekonstruktion der zehn Jahrtausende türkischer Geschichte bis zum Untergang Milets. Ein exzellent illustriertes Pionierwerk.


* Michael Zick: »Türkei – Wiege der Zivilisation«, Theiss Verlag, Stuttgart 2008, 176 S., 32 Euro

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junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.02.2009, Seite 15, Natur & Wissenschaft

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