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Aus: Ausgabe vom 14.01.2009, Seite 12 / Feuilleton

You name it

Thorsten Schäfer-Gümbel, der Spitzenkandidat der hessischen SPD, hat es schwer. Das liegt unter anderem an seinem etwas eigenwilligen Nachnamen. Die Firma Endmark GmbH aus Köln, die auf die Entwicklung von Markennamen spezialisiert ist, hat sämtliche Bundes- und Landtagswahlen der letzten 30 Jahre unter dem Gesichtspunkt der Namen der jeweiligen Spitzenkandidaten analysiert. Ergebnis: In den meisten Duellen setzten sich einfache Allerweltsnamen gegenüber komplizierten durch, adlige Namen wurden oft den bürgerlichen vorgezogen.

Die Erkenntnis, daß Namen Karrierechancen beeinflussen können, ist nicht neu. Allerdings passen Berufswahl und Name nicht immer zusammen. So ist Horst Köhler zwar ein grundsolider Name und sehr bundespräsidentenhaft, eine Schlagerkarriere scheint unter diesem Namen hingegen nur schwer vorstellbar. Deshalb benannte sich der Sänger Horst Köhler aus Trier bereits Anfang der 90er Jahre in Guildo Horn um. Ob der hessische SPD-Spitzenkandidat am kommenden Sonntag bessere Aussichten hätte, wenn er unter seinem Geburtsnamen Thorsten Schäfer angetreten wäre? Wahrscheinlich nur marginal. (ots/jW)